Hallo, das ist der Blog von meiner Fanfiktion "Family Affairs"

Ok eigentlich weiß ich nicht wirklich, was ich hier schreiben soll, aber wir machen das jetzt mal ganz easy.

Disclaimer: Also die Figuren gehören Stephanie Meyer, bis auf die, die ich erfunden oder aus der realen Welt, in meine Story, involviert habe.

Ein genaues Genre kann ich nicht angeben, da wirklich alles darin vereint ist. Wir hätten Liebe, Drama und sogar ein bisschen Humor.

So dann sag ich mal....Have Fun...beim lesen *gg*

Samstag, 15. Mai 2010

5. Jeopardy and the ordinary madness

5. Jeopardy and the ordinary madness

Ich stand vor dem Spiegel meines Kleiderschranks, musterte mich selbst und mein Outfit. Heute wäre mein erster Arbeitstag in der Firma meines Dads und ich hatte ehrlich keine Ahnung, welche Art von Klamotten angebracht war. Im Moment trug ich eine weiße Röhrenjeans, eine türkise Long- Bluse, die ich an der Taille mit einem weißen, breiten Gürtel zusammen raffte und meine türkisen High Heels. Die Haare hatte ich etwas unordentlich nach oben zu einem Pferdeschwanz gebunden und wenige Strähnen meines Ponys waren wieder herausgefallen. Es war gerade mal kurz vor Sieben in der Früh und am liebsten hätte ich mich wieder ins Bett gelegt.

Der gestrige Tag steckte mir noch immer in den Knochen, auch wenn der Abend und das Essen mit Alice mehr als lustig waren. Es war wirklich kaum zu fassen, wie viel Energie in einem so zierlichen Persönchen stecken konnte. Wir fuhren mit ihrem Wagen, einem roten Ford Coupé, direkt in die Innenstadt von London zum Oxo Tower Restaurant. Alice war der Meinung, dass dies eine Sehenswürdigkeit wäre, die ich mir nicht entgehen lassen sollte. Und sie behielt Recht.

Der Ausblick durch die Fensterfront des Restaurants war einfach atemberaubend. Ich hatte einen wundervollen Blick auf die Themse und das in zahlreichen bunten Lichtern erstrahlende nächtliche London. Alles glänzte und funkelte; selbst das Mondlicht wurde von der Spiegelglatten schwarzen Wasseroberfläche reflektiert und verlieh dem ganzen fast schon etwas Zauberhaftes ... einfach unbeschreiblich. Ich war so fasziniert davon, dass ich meine Nase fast gegen die Scheibe gepresst hätte, wenn mich Alice nicht mit ihrem Gerede von weiteren schönen Plätzen davon abgehalten hätte. Sie überredete mich, das Wochenende mit ihr zu verbringen, damit sie mir alles zeigen konnte. Für Samstag standen die Queens Gallery und das London Aquarium an. Sonntag wollte sie dann mit mir in den Hyde Park zum Picknicken…im November.

Da dieses Energiebündel wieder ihren bittenden Hundeblick aufgelegt hatte, wehrte ich mich nicht weiter und stimmte letztlich zu. Nachdem sie mich kurz vor Mitternacht wieder beim Appartement absetzte, fühlte ich mich ein wenig unwohl, denn ich wollte ehrlich gesagt nicht alleine die Nacht da verbringen.

Natürlich war ich auch in Pasadena bei Mum mal über Nacht alleine zu Hause, jedoch war es mein Heim. Das, in dem ich aufgewachsen und wohlbehütet war. Und nun war ich tausende Meilen davon entfernt, in einer fremden Stadt und ganz allein in einer Wohnung, die mir ebenso fremd war, wie London selbst. Zwar hatte ich ein gemütliches, großes Bett, allerdings wollte sich die Müdigkeit nicht so richtig einstellen. Viel zu lange lag ich wach und immer wieder kamen mir die Bilder und die Gespräche des letzten Tages in den Sinn. Und wieder spielten meine Gefühle verrückt. Mal war ich wütend, dann wieder reumütig und kurz bevor ich einschlief überrollte mich das Heimweh, welches mich sogar in Tränen ausbrechen ließ.

Ganze zwei Stunden döste ich vor mich hin, bevor mich der Wecker aus meinem Traum riss, in dem wir – Mum, Dad und ich – glücklich vereint am Frühstückstisch saßen. Wie in einer dieser Cornflakes-Werbungen ... Happy Family ...
Völlig übermüdet kletterte ich aus dem Bett und ging duschen, um für meinen ersten Arbeitstag fit zu sein.

Jedoch war ich alles andere als das. Stattdessen stand ich nun völlig übermüdet hier vor dem verdammten Spiegel und machte mir Sorgen wegen meines Outfits. Klasse Tony…du bist echt der Hammer…

Mittlerweile war es auch Zeit mich ins Nebengebäude zu begeben und mich von Alice in meinen neuen Arbeitsplatz einweisen zu lassen. Sie hatte mich gestern Abend noch ausdrücklich darum gebeten, etwas früher als die anderen zu erscheinen, da sie mir ja mein Büro zeigen wollte und die firmeninterne Software zur Kommunikation untereinander erklären müsse. Was mich ein wenig zum Schmunzeln brachte, da alles, was Computer anging, mein geheimes Steckenpferd war. Mein Kumpel Jay hatte mir alles beigebracht, was man dazu wissen sollte und noch mehr. Okay, ich hatte noch so meine diversen Probleme, was das Hacken anbelangte, aber ansonsten, was Netzwerkadministration, die gängigsten Programmiersprachen und Grafikprogramme betraf, war ich recht gut darin.

Für den Job bei Dad hatte ich mir von meinem Geburtstagsgeld eine schicke Aktentasche aus echtem Leder gekauft, die ich nun in der Hand hielt. Damit betrachtete ich mich noch einmal im Spiegel, bevor ich die Schlüsselkarte, mein Handy und lediglich einen einfachen Schreibblock darin verstaute. Dann schnappte ich mir meinen beige-farbenen, halblangen Trenchcoat und verließ das Appartement.

Erst als ich die Haustür öffnete um hinaus zu gehen, bemerkte ich die eisige Kälte und sah die schneebedeckte Straße. Urgh…ich hasste Schnee.
Das war einer der Gründe, weswegen ich LA so sehr liebte. Bei meinem Grandpa Charlie, den wir ab und an mal an Weihnachten in Forks besuchten, lag der Schnee manchmal meterhoch. Aber in Los Angeles, gab es keinen Schnee und die Temperaturen waren nie niedriger als maximal 5 Grad über null. Ich mochte die Nässe und die Kälte nicht und war immer ganz froh, wenn die Niederschlagsreichsten Monate vorbei waren.

Stöhnend sah ich auf meine Füße hinunter. Verdammt ich hatte nur meine High Heels an. Mir würden all meine Zehen abfrieren bei diesem beschissenen Wetter. Shoppen! Das wars….ich brauchte dringend ein paar tolle, modische Winterstiefel. Shoppen, shoppen…ich gehe shoppen….yehaa…

Man könnte mich für verrückt halten, aber einkaufen zu gehen und das Geld nur so aus den Fenster zu schmeißen für jegliche Art von ausgefallener Mode war mein Hobby - um nicht zu sagen, liebte ich es sogar mehr als alles andere. Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen und vergessen war der Unmut wegen des Schnees.

Schnell stapfte ich schwermütig auf die andere Straßenseite zum Firmengebäude.
Groß und prachtvoll erstreckte es sich vor mir und ich spürte schon jetzt das Kribbeln in meinem Magen. Mir wurde übel vor Aufregung. Ich meine, ich war meinem Dad schon über den Weg gelaufen, doch trotzdem legte sich die Nervosität nicht. Vor allem nicht, als ich an seine durchdringenden, grünen Augen dachte, die meinen Eins zu Eins glichen. Eigentlich müsste man ziemlich blind sein, um die Ähnlichkeit zwischen uns nicht zu bemerken. Dies war übrigens nicht der einzige Grund. Schließlich stand noch der Vorfall mit der Ohrfeige zwischen uns und ich wusste nicht, ob er meine Entschuldigung von gestern wirklich verstanden hatte.


„Guten Morgen, Miss“, riss mich eine angenehme, männliche Stimme zurück in die Gegenwart. Ich schreckte auf und hielt mir eine Hand auf das Herz, so wie Mum es immer tat, wenn man sie erschreckte.
Vor mir stand Jasper, den ich ja am Vortag schon kennenlernen durfte. Er stand neben einem silbernen Ford Mondeo, dessen Tür er gerade zuschlug. Heimlich und in Gedanken nannte ich ihn „Alice’s Romeo“. Sie konnte mir erzählen, was sie wollte, ihre Sympathie für diesen schönen, blonden Mann war kaum zu verbergen.
„Guten Morgen, Mister Whitlock“, seufzte ich. „Erschrecken Sie mich nie wieder so! Vor allem nicht am Morgen.“ Gespielt tadelnd streckte ich mahnend meinen Zeigefinger aus und er gluckste.
„Alles Klar, Miss. Ich dachte nur, Sie bräuchten einen kleinen Schubs aus ihren Gedanken. Wir wollen ja nicht, dass Sie gleich am ersten Tag zu spät kommen“, schmunzelte er. Es war gerade mal kurz vor halb Acht. Laut Alice begann die reguläre Arbeitszeit jedoch nicht vor Acht. Und ich würde wohl für die paar Meter über die Straße kaum länger benötigen als fünf Minuten. Doch ich wollte Jasper nicht vor den Kopf stoßen.
„Jaaah … da haben Sie wohl Recht.“ Ich besah mir das Gebäude nochmals, ehe ich langsam zum Eingang schlenderte.
„Ach, und Mister Whitlock?“ Ein letztes Mal drehte ich meinen Kopf über die Schulter und er zog fragend eine Braue in die Höhe.
„Nennen Sie mich doch To-… Eeehm .. Maria“, stammelte ich. Verdammt, Tony, pass auf, was du sagst!
„Jasper“, lächelte er mich an und ich nickte. Noch einmal tief durchatmend betrat ich die Firma und konnte gerade noch erkennen, wie Jasper seinen Wagen abschloss und mir dann nach drinnen folgte.

In der großen Eingangshalle hallte das Geräusch meiner klackernden Absätze wieder. Ich erschauderte, es war einfach zu ruhig.
Obwohl alles wunderbar eingerichtet war, konnte es mich nicht besänftigen. Im Gegenteil, die Perfektion schüchterte mich beinahe ein.
„Aufgeregt?“, vernahm ich Jaspers Stimme und fuhr herum. Er hatte sich mittlerweile hinter den glänzenden Tresen gestellt und sortierte Unterlagen.
„Mhmh … so könnte man es sagen …“, nuschelte ich in mich hinein. Meine Güte, was war denn mit mir los? Ich war doch sonst nicht so zurückhaltend. Naja … meinte meine innere Stimme. Man haut ja nicht jeden Tag unter falschen Tatsachen von zu Hause ab, um seinen Vater aufzusuchen, der im übrigen nur knappe 5500 Meilen weit über den Ozean hinweg lebte…

„Maria!“ - Das war Alice’s Stimme. Sie kam gerade breit grinsend auf mich zu getänzelt und als ihre Augen Jasper erblickten, wurde sie sofort langsamer und biss sich hart auf die Unterlippe. Ich kicherte, als sie auch noch errötete. Oh mein Gott, das war ja kaum auszuhalten.
Mein Kichern ging in ein leises Glucksen über.
„Guten Morgen, Alice!“, rief ich ihr übertrieben fröhlich zu und winkte.
Sie blies die Wangen auf und stieß dann laut die Luft aus, ehe sie einmal den Kopf schüttelte – wahrscheinlich um wieder zur Besinnung zu kommen – und ihren Weg zu uns dann vorsichtig und betont langsam fortsetzte.
Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich gesagt, dass man ihren viel zu schnellen Herzschlag bis hierhin hören konnte.

„Uhm …. Bist du bereit für deinen ersten Tag?“, fragte sie und versuchte offensichtlich gelassen zu wirken. Sorry Alice, aber das ging daneben. Ich hörte Jasper kichern und stimmte leise mit ein.
„Na ja, ich bin aufgeregt…“, kurz biss ich mir auf die Lippe. „Aber … ich werde das schon schaffen.“
„Natürlich wirst du das!“, kam es sofort von ihr. „Mr. Cullen ist nicht so schlimm, wie er manchmal scheint.“ Dann zwinkerte sie mir zu.

Wie auf Knopfdruck hallte in diesem Moment die enthusiastische Stimme von meinem …. Chef, Dad … wie man ihn auch nennen wollte, durch den Raum.
„Guten Morgen!“, rief er fröhlich in die Runde. Ich drehte mich herum und musterte ihn.
Er trug einen – wie ich vermutete – maßgeschneiderten, schwarzen Designeranzug mit weißem Hemd darunter. . In der linken Hand hielt er seine Aktentasche und über dem rechten Unterarm, hing sein schwarzer Mantel. Um seinen Hals baumelte einen perfekt gebunden Krawatte und ich fragte mich einen Moment, ob er das selber so hinbekommen hatte oder ob TANYA dafür verantwortlich war.
Schnell unterdrückte ich das aufkommende Schnauben und sah ihm direkt ins Gesicht.
Als er mich erblickte, blieb er abrupt stehen und sein Lächeln verschwand für einen Moment. Er sah mir tief in die Augen, beinahe hypnotisch. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm nehmen.
Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wie Alice zwischen ihm und mir hin und her sah und räusperte mich, um uns beide selbst aus diesem Blickkontakt und merkwürdigem Moment zu reißen.

„Guten … Morgen, Mr … Cullen.“ Ich schluckte schwer.
„Guten Morgen ….“ Er besah mich mit einem undefinierbaren Blick. „Maria.“
„Guten Morgen, Mr. Cullen“, schnaubte Alice. „Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Nacht.“ Sie klang ein wenig genervt.
„Eeehm, ja“, schüttelte er seinen Kopf, so als müsse er seine Gedanken erst ordnen, wobei ein paar wirre graue und braune Haarsträhnen auf seine Stirn fielen. „Ich bin … im Büro … falls was sein sollte“ Und ehe irgendjemand von uns antworten konnte, stürmte er zum Aufzug und drückte den Knopf öfter als nötig. So als wäre er auf der Flucht.

„Männer …“, hörte ich Alice murmeln. „Von einem Moment auf den anderen wechseln sie plötzlich – und ohne ersichtlichen Grund – ihre Stimmung.“
„Na, der scheint wohl alles andere als eine angenehme Nacht gehabt zu haben“, runzelte ich die Stirn.
„Mhmh … Normalerweise ist er immer ziemlich erholt, wenn Tanya bei ihm ist, seine Laune ist dann immer so gut, dass es beinahe nervt. Sie macht ihn glücklich“, meinte Alice nachdenklich und sofort ballten meine Hände sich zu Fäusten. Wer auch immer diese Tanya war, sie musste verschwinden. Sie stand uns im Weg. Warum verlobte sich dieser Vollpfosten auch?!
„Alles okay, Maria?“ Alice warf mir einen skeptischen Blick zu, wobei eine ihrer Augenbrauen nach oben schoss.
„Ja klar … Wollen wir anfangen?“ Jetzt klang auch ich irgendwie genervt.
„Gut!“, sagte sie enthusiastisch „Komm, ich zeige dir dein Büro.“

Nachdem ich Jasper noch einmal schwach anlächelte und er es mit einem aufmunternden Zwinkern beantwortete, folgte ich Alice die Treppen hinauf zur zweiten Etage. Einen Moment lang fragte ich mich, weshalb wir nicht auch den Fahrstuhl benutzten, verwarf es aber wieder. Bewegung tut gut und hält schlank…war der liebenswerte Kommentar meiner Gedankenstimme.

Statt dem Flur nach rechts zu folgen wie gestern, lief sie nach links, ebenfalls wieder bis zum Ende. Wo ebenso eine kleine Nische mit Schreibtisch neben einer weißen Holztür lag. Bis auf die Tür sah diese Seite der Etage genauso aus, wie die andere, die zu Dads Büro führte.

Alice öffnete die Tür und wir betraten einen hellen, freundlichen Raum. Er war nicht viel größer oder kleiner als der, in dem sich Dads Büro befand, aber es war ein komplett anderer Stil. Alles wurde hier in warmen Tönen gehalten, selbst die Möbel waren aus Naturholz. Auf meinem Schreibtisch – ich konnte es kaum glauben, dass das nun wirklich alles meins sein sollte – stand ein Laptop und alles Nötige, was man für die Arbeit brauchte. Ehrfürchtig lief ich auf den Schreibtisch zu und betrachtete die Sachen aus der Nähe.

Als meine Bewunderung langsam abflaute, hob ich meinen Blick und ließ diesen ein weiteres Mal durch das Zimmer schweifen. Es war wirklich überwältigend. Die Wände waren in einem sanften Beigeton gestrichen, der Boden mit hellem Parkett ausgelegt und gegenüber meinem Arbeitsplatz befand sich genauso ein großes Rundbogenfenster wie das in meinem Appartement. Allein von hier konnte ich sagen, dass die Aussicht toll war. Man sah den klaren Himmel, die verschneiten Straßen, und die Menschen, die sich darauf tummelten.

„Wow…es ist einfach großartig“, sagte ich völlig überwältigt. Alice, die noch immer im Türrahmen stand, grinste bis über beide Ohren. Das sonst übliche Strahlen ihrer Augen schien noch stärker geworden zu sein.
„Ich weiß“, war ihre schlichte Antwort, ehe sie auf mich zugeschlendert kam. „Schalt ihn ein!“, forderte sie mich mit einem Fingerzeig auf den neuen Laptop vor mir auf.
Grinsend setzte ich mich in den Schreibtischsessel, rollte näher an meinen Schreibtisch heran, klappte das Gerät auf und betätigte den Powerknopf. Noch immer hallte das Wort mein in meinem Kopf nach. Das war also nun mein Arbeitsplatz, wo ich tun und lassen konnte, was ich wollte. Herrlich.

Nachdem sich das Betriebssystem hochgefahren hatte, stellte sich Alice neben mich, beugte sich nach vorne und betätigte die zusätzlich angeschlossene PC-Maus. Sie erklärte mir ausführlich wo ich welche Dateien finden konnte und dann das für die Firma extra entwickelte, interne Mailsystem. Fast hätte ich laut los geprustet. Sie sprach mit mir, wie mit einem Kleinkind: jedes Wort war lang gezogen und langsam ausgesprochen. Innerlich amüsierte ich mich köstlich über diese Darbietung ihrer Erklärungskünste, doch äußerlich versuchte ich meine Mundwinkel, die gefährlich zuckten, krampfhaft im Zaum zu halten.

„Ok, hast du alles soweit verstanden?“, fragte sie mich nach gefühlten Stunden. Da ich ihr nicht antwortete, weil ich noch immer zu beschäftigt damit war, nicht laut los zu lachen, sah sie mich über die Schulter mit hochgezogener Braue an. Und das wars.
Ich konnte nicht mehr. Zuerst war es nur ein Glucksen, welches sich jedoch ganz schnell in ein lautes Lachen verwandelte. Schnell schloss ich die Augen, legte mir die rechte Hand auf den Mund, um mich zu stoppen und krallte mich mit der linken in der Sessellehne fest. Nicht lachen… bloß nicht lachen.

„WAS? Was ist denn?“ Alice klang etwas empört und eigentlich hätte mich das zum Schweigen bringen sollen, aber es ging einfach nicht. Die Hand, die ich auf meinen Mund gepresst hatte, wanderte zu meinem Bauch, den ich nun festhielt, da er bereits zu schmerzen begann. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, dass ich nicht vom Stuhl fiel und mich vor Lachen auf dem Boden kugelte.

Als ich meine Augen wieder öffnete, saß die kleine schwarzhaarige auf meinem Tisch, die Arme vor der Brust verschränkt, die Augen zu schmalen Schlitzen verzogen und die Lippen gekräuselt.

„Es…es…tu...tut…mir leid“, gackerte ich wie eine Irre. Der Lachflash, welcher mich ergriffen hatte, wollte einfach nicht verebben. Mittlerweile flossen schon die Lachtränen aus meinen Augen, meine Sicht verschwamm und Alice sah mich einfach nur an. Ihre Fingerspitzen trommelten auf dem hellen Holz herum, sichtlich genervt verdrehte sie ihre Augen. Dann sprang sie vom Tisch und lief zu Tür, ehe sie diese öffnete, rief Dads Assistentin mir angesäuert zu: „Wenn du dich wieder eingekriegt hast, weißt du ja, wo ich zu finden bin.“

Mein Lachen erstarb mit einem mal, denn als sie den Griff nach unten drückte und die Bürotür nach innen aufzog, stand niemand anderer davor, als mein Dad…Edward…Mr. Cullen höchstpersönlich. Scheiße, was wollte der denn jetzt hier?
Er räusperte sich, zwängte sich an Alice vorbei und kam auf mich zu. Meine Hände begannen zu schwitzen und Panik machte sich in mir breit. Sein Gesicht war ausdruckslos, doch seine Augen leuchteten. Irgendwie hatte ich Angst. Warum, wusste ich allerdings nicht. Ob es wohl schlimm wäre, wenn ich einfach aus dem Fenster springen würde? Wir waren nur in der zweiten Etage, das dürfte ich schon überleben. Oder sollte ich mir einfach die Hände vors Gesicht schlagen, ganz nach dem Motto: Sehe ich dich nicht, siehst du mich auch nicht?! Maann, Tony hab dich nicht so albern….warte ab, was er will…

Vor meinem Schreibtisch stoppte er und legte eine braune Akte darauf. Kurz musterte ich diese, dann blickte ich ihm wieder direkt ins Gesicht. Nun hatte er ein schiefes Grinsen auf den Lippen, fuhr sich mit der linken Hand durch die Haare und mit der rechten zeigte er auf die Papiere vor mir.

„In diesem Ordner finden sie alles für ihre erste Aufgabe, Maria.“ Himmel, war seine Stimme schon immer so…so weich? MOMENT! Erste Aufgabe? Was für eine Aufgabe? Häh? Von was sprach dieser Mann?
Mit hochgezogener Augenbraue sah ich ihn fragend an. Sein Grinsen wurde breiter und der Schalk blitzte in seinen grünen Iriden auf.
„Sie sollen mir ein neues Vermarktungskonzept erstellen. Das dürfte für sie ja kein großes Problem sein, nicht wahr?“ Meine Augen weiteten sich und wieder musste ich mit den Muskeln meines Gesichts kämpfen, damit diese mir nicht entglitten. Vermarktungskonzept…ich? War der Kerl irre geworden? Na, du hast dich doch um diesen Job beworben…also, dann mach mal…verspotteten mich meine Gedanken. Oh, verdammt…richtig, der Job!

Erwartungsvoll und auf eine Antwort meinerseits wartend beobachtete mich mein Dad. Schnell straffte ich die Schultern und seufzte fast unhörbar.

„Natürlich ist das kein Problem. Bis wann brauchen sie das Konzept?“, erwiderte ich mit fester Stimme. Mein Selbstbewusstsein und mein sicheres Auftreten waren zurückgekehrt. Ich musste mich wirklich langsam am Riemen reißen, wenn ich nicht auffliegen wollte.

Das Grinsen, das bis eben noch auf seinen Lippen lag, war verschwunden und durch einem grimmigen Gesichtsausdruck ersetzt worden. Meine Güte, hatte dieser Mann Stimmungsschwankungen.

„Sie haben bis vierzehn Uhr zeit.“ Beantwortete er kühl, drehte sich um verließ das Büro und Alice, die auch noch da war, folgte ihm kopfschüttelnd. Irgendwie kam mir das alles gerade furchtbar merkwürdig vor. Hatte ich irgendetwas verpasst? Etwas stimmte nicht, nur ich kam nicht dahinter, was.
Mein Blick fiel zurück auf die Akte, die vor mir lag. Naja, mal schauen, was mich da erwartete.


Ich nahm sie in meine Hände und öffnete die erste Seite. Meine Augen verfolgten jedes einzelne Wort, jedoch kam die Bedeutung derer nicht in meinem Gehirn an. Ahnungslos, was ich da eigentlich vor mir hatte, lief plötzlich eine Melodie in meinem Kopf ab. Oh nein…Jeopardy. Wieso ausgerechnet jetzt und hier?

Es gab mal eine Zeit, da saß ich immer mit Leo auf der Couch und wir zogen uns diese Quizshow rein und verdammt jedesmal, wenn diese Melodie ertönte, stellten wir den Fernseher auf lautlos, weil wir sie einfach nicht ertragen konnten. Zumindest nicht länger als zwei Minuten. Keine Ahnung, welcher Mensch sich sowas Krankes in seinem Hirn zusammen komponiert hatte, denn es war einfach nur nervig.

Frustriert schlug ich die Akte zu und sofort verstummte auch diese wahnsinnig machende Melodie. Dem Himmel sei Dank!

Ich beschloss mich noch einmal der Aufgabe, die mir mein Dad erteilt hatte, zu widmen und griff erneut zu den Papieren. Doch kaum hatte ich den ersten Stichpunkt gelesen, ertönte wieder dieses verfluchte Jeopardylied. Hölle…was war das? Abermals schloss ich den Ordner und sogleich wurde es wieder still in meinem Kopf. Okay, irgendetwas lief da auf jeden Fall schief. Dieses auf-zu Spiel probierte ich noch einige Male und immer war es dasselbe. Sobald der Ordner offen war, fing die Melodie so laut in meinen Gedanken an zu spielen, dass sie alles andere übertönte, klappte ich ihn jedoch wieder zu, verstummte in der gleichen Sekunde dieses abscheuliche Lied.

Verrückt...

War ich kurz davor paranoid zu werden? Ich meine, allein schon die Tatsache, dass ich hier einen Job bekam, von dem ich im Prinzip nur das wusste, was das Internet an Informationen preisgab, war irgendwie irre. Doch nun eine Aufgabe zu bewältigen, die für mich unlösbar erschien, war doppelt so verrückt.
Verdammt, hatte er bis vierzehn Uhr gesagt? Scheiße, scheiße, scheiße, scheiße….das schaff ich nie im Leben. Wie auch…ich verstand ja nur Bahnhof von den Dingen, die er mir Stichpunktartig aufgelistet hatte und erst recht hatte ich keinerlei Erfahrung in Sachen Vermarktung. Das gleiche wäre es, wenn jemand vorgab christlicher Priester zu sein und dann aber den kompletten Buddhismus predigte. Oder wenn man einen Elefanten verkaufen wollte, stattdessen aber eine Maus in der Hand hielt. Verrückt, verrückt, verrückt!!!

Bevor die Panik es schaffte, gänzlich von mir Besitz zu ergreifen, überlegte ich bereits krampfhaft, wie ich mir nun noch helfen konnte. Oder besser: Wer? Mum fiel schon mal weg, schließlich waren es ihre Unterlagen, die ich für die Bewerbung des Jobs verwendet hatte. Allerdings würde sie sich fragen, warum ich das bräuchte und sobald sie den Namen Cullen lesen würde, wäre doch eh alles klar. Sie würde durchdrehen, sich in den nächsten Flieger setzen und mich hier wegzerren oder sie würde in einen Schockzustand verfallen…was wohl das wahrscheinlichste wäre. Ok…wer käme denn noch in Frage? Mein Gehirn schien bereits nahe dran zu sein, wegen Überlastung einen Schlag zu bekommen, als mir Jason einfiel. Genau! Er hatte für mich die Papiere gefälscht. Er kannte sich mit allem irgendwie aus. Er hatte Kontakte. Wenn mir jemand helfen konnte, dann er.

Wie spät war es gleich nochmal in LA? Hm…also wenn es hier in London Acht Uhr morgens war, dann wäre es in Los Angeles demzufolge ziemlich genau Mitternacht. Was hieß, dass ich problemlos anrufen konnte, da Jay unter Garantie noch wach sein würde.

Schnell griff ich nach dem Telefon und wählte seine Nummer, legte aber sofort wieder auf, da ich mich daran erinnerte, dass Alice etwas davon gesagt hatte, keine Privatgespräche vom Büro aus zu führen. Also suchte ich in meiner Tasche nach meinem Handy, ging mein Telefonbuch durch und bereits nach dem dritten Klingeln nahm er ab.

„Hey Tony, meine Sonne, wie ist das kalte Londoner Leben?“, gluckste er ins Telefon. Jason war einer dieser Menschen, die ständig voll guter Laune steckten und unbekümmert von einem in den anderen Tag starteten. Einfach ausgedrückt…eine Frohnatur, wie ich, wenn ich nicht gerade unter Stress stand oder irgendwelche peinlichen Aktionen veranstaltete.

„Jay ich brauch deine Hilfe, dringend“, wieso klang meine Stimme nur so hysterisch? Achja…weil ich verflucht nochmal kurz vor einer Panikattacke stand, wenn mir niemand helfen würde. Denn dann würde die ganze Sache auffliegen, weil ich dann nämlich die Wahrheit sagen müsste…was wirklich äußerst deprimierend wäre.

„Babe, ruhig! Was ist denn los, du hyperventilierst ja schon fast?!“ Ich tat WAS?
Oh Gott, er hatte recht, ich selbst hatte nicht einmal mitbekommen, wie schnell meine Atmung geworden war und das meine Hand auf der Stelle lag, wo mein Herz unerbittlich von innen dagegen klopfte, als wäre es auf der Flucht.

„Jason, ich verzweifel!“, stammelte ich nach Atem ringend. „Ich soll ein Vermarktungskonzept erstellen. Weißt du was das bedeutet?“ Die letzten Worte entwichen mir quietschend.

„Das du den Job bekommen hast?“ war Jasons glorreiche Antwort.
„NEIN“, schrie ich in den Hörer. „Ich meine, ja ich hab ihn, aber was bringt mir das, wenn ich nicht weiß, was ich zu tun habe?“ Merkwürdige Geräusche waren zu hören, mit gerunzelter Stirn konzentrierte ich mich auf diese, dann kam mir die Erleuchtung. Jay kicherte…er lachte über mich und versuchte es offenbar zu verstecken, so wie ich es noch vor rund zwanzig Minuten bei Alice getan hatte. Nur das meine Lage gerade nicht witzig war, sondern todernst.

„Lachst du mich aus?“ Stille, dann ein leises Räuspern.
„Eheeem…nö?“
„Doch tust du!“
„Hörst du mich lachen?“, fragte er und ich konnte mir bildlich vorstellen, wie er seine Lippen fest aufeinander presste, um nicht erneut los zu prusten.
„Nein…ich meine, nicht mehr…ach verflixt noch mal…Jay, lass den Scheiß und hilf mir lieber! Was soll ich denn jetzt machen? Bis vierzehn Uhr muss ich zumindest eine Art Vorschlag unterbreiten“, wimmerte ich, fuhr mir durch die Haare und löste dabei den Gummi, der diese zu einem Zopf zusammen hielt.
„Hm…lass mich kurz überlegen, Sweetheart.“ Während er scheinbar nachdachte, kämmte ich meine langen Zotteln mit den Fingern durch und betrachtete geistesabwesend die Spitzen. Hm…die müssten auch mal wieder geschnitten werden. Vielleicht könnte mir Alice ja einen guten Haarstylisten empfehlen. Ich wollte eh shoppen gehen wegen neuen Schuhen für den Winter und vielleicht liebte sie es ja genauso, wie ich. Fragen kostet nichts, außerdem war sie eine sehr modebewusste Frau, wenn ich mir ihren Klamottenstil so betrachtete. Und ja, dies könnte ich sozusagen als Entschuldigung anbieten, bezüglich meines unangebrachten Verhaltens ihr gegenüber.

„Antonella, Babe?“ Was?? Okay das war ganz sicher nicht Alice's Stimme. Um wieder zur Besinnung zu kommen, schüttelte ich den Kopf und räusperte mich. Ich sollte wirklich nicht immer so abdriften.....
"Eeehm ... jaaah?", dehnte ich meine Antwort.
"Hörst du mir zu?", fragte er skeptisch und ich konnte mir bildlich vorstellen, wie er die Stirn runzelte.
"Natürlich tue ich das!", rief ich gespielt empört in den Hörer und schlug prompt mit der flachen Hand auf den Schreibtisch. Natürlich hörte ich ihm zu...
"Und was sagst du dazu?!", fragte er weiter.
"Wozu?", Oh scheiße...
"Zu dem was ich eben gesagt habe. Findest du es gut oder schlecht?"
"Eeeehm ... gut?", es klang mehr nach einer Frage.
"Wirklich?", hakte er nach und stöhnend fuhr ich mir über das Gesicht.
"Ehm nein, natürlich nicht!", meinte ich stürmisch den Kopf schüttelnd. Oh Gott ... Er hatte mich doch schon längst durchschaut.
""Okay, dann eben nicht." Das Schmunzeln in seiner Stimme war kaum zu überhören.
"Jason ....", ich seufzte. "Ich hab nicht zugehört okay? Ich hab keine Ahnung, worum es gerade geht! Von mir aus könntest du mir was von ausgestopften Tieren oder dem Weltfrieden erzählen. ICH HABE NICHT ZUGEHÖRT! Und ja, ich bin ein schlechter Mensch und habe keine Ahnung, wovon du eben erzählt hast. Und weißt du was?! Ich hab stattdessen über meine Frisur und Winterschuhe nachgedacht!" Das Lachen was von mir folgte, klang beinahe hysterisch und als es langsam verebbte, klang es mehr nach einem wimmern. "Oh, ich bin so am Arsch", setzte ich seufzend nach.

Am anderen Ende der Leitung waren wieder diese undefinierbaren Geräusche zu hören, während meine Augen den Sekundenzeiger der Uhr mir gegenüber verfolgten.
127 Sekunden und sieben undefinierbare Geräusche später, konnte er es nicht mehr zurückhalten und brach in schallendes Gelächter aus.

"Ja, ja, lach nur", grummelte ich "Gott wird dich dafür bestrafen."
"Ach ... ja?", lachte er. "Mich, huh? Ich weiß gar nicht ..." er atmete immer wieder tief durch "Wie viel Zeit, Nerven und Stoßgebete du den Priester kosten würdest, wenn du mal im Beichtstuhl säßest" Ganz langsam beruhigte er sich wieder.

"Jason!", zischte ich "Komm zur Sache!" Mit den Fingernägeln trommelte ich auf dem Tisch herum. Pff ... Beichtstuhl als hätte ich das nötig. Ich war ein wohlerzogenes anständiges Mädchen. Ja, das war ich, abgesehen von-
"Okay", durchbrach er kichernd meine Gedanken. "hach, du bist köstlich"
"JAY!", rief ich laut und sprang von meinem Schreibtischstuhl auf.
"Ja, ja, Kätzchen, cool down", gluckste er. "Also, Fax, ja?!"

Ich stockte in meiner Bewegung - ich war gerade dabei auf den Schreibtisch zu boxen - und blinzelte ein paar Mal.
Sechs Atemzüge später, fand ich meine Sprache wieder.

"Fax? was willst du denn mit einem Fax?", seufzte ich auf und fiel frustriert in den Stuhl zurück. Meine Güte war das anstrengend.
"Mein Gott, Tony", laut stieß er die Luft aus. "Du sollst es mir zufaxen, ich kümmer mich dann darum." Ich brauchte einige Sekunden um zu verstehen, auf was er hinaus wollte.... Und nach gefühlten Stunden, bog mein rechter Mundwinkel sich langsam nach oben.... Ein Geräusch, das sehr nach einem "Bling" klang, ertönte in meinem Kopf und da wurde mir klar, dass die Glühbirne dort oben zwischen all dem Staub und den Spinnweben eingeschaltet wurde.

„Oh….du bist ein Schatz, Jay, ehrlich.“
„Na, das hat ja gedauert.“ Erwiderte er und ich konnte regelrecht hören, wie er seine Augen verdrehte.
„Danke, ich schulde dir was“, grinste ich erleichtert, dass ich mich auf ihn verlassen konnte. Jason gab mir dann noch die Faxnummer durch und binnen weniger Augenblicke hatte ich ihm die Akte auch schon zugefaxt. Wobei sich das gleiche Schauspiel ereignete, wie auch schon zuvor. Jeopardy wollte mich quälen, fertig machen, zerstören und mich in einem ausgepolsterten Raum gegen die Wand schlagen sehen. Soviel war klar.

Nachdem wir unser Telefonat beendet hatten fuhr ich mir völlig fertig mit den Nerven durch meine Haare. Was war nur aus mir geworden? Mein Gehirn schien sich stückweise verabschiedet zu haben. Okay, durcheinander war ich schon immer gewesen, aber so verpeilt, dass man mich für eine strohdumme Blondine halten konnte…nein…dafür gab es nur einen Grund.

Dad war schuld!

Erst seitdem ich ihm begegnet war, begann mein Verstand ein Eigenleben zu entwickeln. Ich wurde zu einer Kriminellen, einer Lügnerin und war einfach nicht mehr ich selbst. Diese ganzen Geheimnisse, die ich mit mir rumschleppte, würden mich noch wahnsinnig machen. Ich sollte vielleicht wirklich einfach zu ihm hingehen und sagen: Hi Dad! Wie schlimm konnte es schon werden? Tja schlimmer als die Reaktion meiner Mum auf meine bescheuerte Aktion, wenn sie es irgendwann herausfinden würde sicher nicht...
Zuerst einmal benötigte ich einen Kaffee, der meine Nerven wieder ein wenig beruhigen würde, danach könnte ich Alice fragen, ob sie mit mir shoppen gehen wollte und dann gäbe es noch immer die Möglichkeit Mr. Edward Cullen aufzusuchen. Falls du dich dann noch traust….

Mit neuem Elan erhob ich mich von meinem Arbeitsplatz und lief aus meinem Büro. Noch war es meins. Ja, noch, aber wie heißt es doch so schön? Wie gewonnen, so zerronnen…warf mein Unterbewusstsein unangebrachter weise ein. Wütend schüttelte ich den Kopf, um diese seltsame, nervige Stimme daraus zu vertreiben.

Schnellen Schrittes durchquerte ich den langen schmalen Flur und nach gut 500 Metern stand ich auch schon vor Alice. Diese saß konzentriert an ihrem Schreibtisch und blätterte einige Ordner durch.
Während ich sie dabei beobachtete und überlegte, wie ich am besten anfangen könnte, hob sie den Blick und sah mich aus zu schlitzen verengten Augen an. Ohje, sie schien noch immer sauer zu sein.

„Hey“
„Was willst du?“ fragte sie gereizt. Sie war definitiv noch böse auf mich.
„Al…also…zuerst wollte ich mich bei dir entschuldigen. Es tut mir leid, ich wollte dich nicht auslachen“, sagte ich reumütig mit vorgeschobener Unterlippe. Sie seufzte.
„Schon gut, Maria. Was gibt es denn? Brauchst du irgendwas?“ Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.
„Naja ich wollte dich fragen, ob du eventuell mit mir shoppen gehen möchtest?! Ich habe festgestellt, dass mir das passende Schuhwerk für diese Jahreszeit fehlt und ... naja. Also hättest du Lust?“
„Ob ich Lust habe?“ Ihre Stimme erhob sich um einige Oktaven, ihre Augen waren weit aufgerissen und sie schien geschockt zu sein.
„Du..du musst nicht, es würde mich nur freuen und da ich…ich mich nicht auskenne, da-“
„AHHHHHH, natürlich gehe ich mit dir einkaufen.“ Quietschte sie freudig los. „Oh, du glaubst gar nicht, wie sehr mich das freut. Wir könnten in die Carnaby Street oder ins Westfield. Je nachdem, wie viel Geld du investieren möchtest, aber darüber können wir uns später noch Gedanken machen. Wann wolltest du los? Heute nach der Arbeit? Ich weiß gar nicht, was ich dir zuerst zeigen soll, es gibt ja soviele Möglichkeiten hier, um sich neu auszustatten.“ Ihre Augen funkelten und mit dem Finger tippte sie sich ans Kinn. Sie war offensichtlich noch nicht fertig mit reden, denn sofort öffnete sich ihr Mund erneut. Die Wörter flogen nur so hinaus.

Ohne einmal Luft zu holen erzählte sie mir von einigen ihrer kostbaren Errungenschaften, welche während ihres letzten Einkaufsbummels, wie sie es so schön bezeichnete, ergattern konnte. Es war herrlich sie dabei zu beobachten. Alice schien in eine andere Welt getaucht zu sein und mich persönlich machte es glücklich, jemanden gefunden zu haben, der in dieser Sache mit mir auf einer Wellenlänge zu sein schien.

Mit Leo war das immer anders. Klar, sie begleitete mich und war auch den neuesten Modetrends gegenüber nicht abgeneigt, aber sie verstand ansonsten rein gar nichts. Sie zog an, was ihr gefiel, ob es nun vom Stil, Schnitt oder Farbe her zusammen passte, spielte dabei keine Rolle. Und bei Bella, meiner Mum, war es sowieso hoffnungslos. Sie trug ständig nur Klamotten in gedeckteren Farben, wie schwarz, dunkelblau, braun oder ab und an auch mal grau, was aber eher eine Ausnahme darstellte. Eigentlich hatte ich sie noch nie mit einer weißen Bluse oder einem roten Shirt gesehen. Und wenn ich sie mal darauf ansprach, dann kam sie immer mit der Ausrede, dass ihr bunte Farben nicht stehen würden. Was ich allerdings für völligen quatsch hielt, da in dem Karton, den ich gefunden hatte, ein Foto versteckt war, dass das Gegenteil bewiesen hatte.

Auf der Rückseite dieser Fotografie stand: Abschlussball 1990. Darauf war sie mit meinem Dad zu sehen. Er hatte einen eleganten schwarzen Anzug getragen und sie ein grünes, bodenlanges, schmales Neckholderkleid. Beide sahen so traumhaft aus. Und erst die Blicke die sie sich zugeworfen hatten. Allein die Betrachtung dieses alten Fotos ließ die Magie zwischen den beiden sichtbar werden.

Was mich wieder einmal zu der Frage zurückführte, was passiert sein konnte, dass eine solche Liebe so plötzlich endete? Wobei sie ja nicht wirklich geendet hatte, denn Bellas Gefühle meinem Dad gegenüber schienen sich nie wirklich verändert zu haben.

Auch das war eines meiner Ziele…herauszufinden, auf welchen Tatsachen die Trennung basierte.

„Sollten die Damen nicht arbeiten, anstatt zu quatschen?“ Ich brauchte mich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer mich auf so schroffe Art und Weise aus den Gedanken gerissen hatte. Schon seine Tonlage verriet mir, welcher Laune Alice und ich ausgesetzt waren.
Genervt stöhnte ich auf, warf die Hände in die Luft und wandte mich ihm schließlich doch zu.

„Was meinst du, was wir hier tun, huh?“ Dabei zog ich eine Augenbraue in die Höhe und sah ihn herausfordernd an. Was dachte er, wer er war? Jeder normale Mann wusste doch, dass man keine Frauengespräche zu unterbrechen hatte, warum begriff er das nicht? Just in dem Moment, als ich zu Ende gesprochen hatte, entglitten ihm alle Gesichtszüge, was mir bewusst werden ließ, was ich da gerade von mir gegeben hatte. Und vor allem wem gegenüber. Augenblicklich schlug ich mir die Hände auf den Mund, stammelte immer wieder ein „Oh mein Gott“ vor mich hin und rannte panisch zurück in mein Büro.

Dort angekommen schlug ich die Tür hinter mir zu, presste meinen Rücken dagegen, nur um dann unsanft daran hinab zu gleiten und mit dem Arsch auf dem Boden zu landen. Meine Hände vergrub ich in meinen Haaren, legte den Kopf auf meinen Knien ab und kniff beide Augen fest zu.
Was hatte ich da gerade nur getan? Wie konnte ich so die Kontrolle über mich verlieren? Warum muss mir nur immer so etwas passieren? Hätte ich nicht einfach mal meine Klappe halten können?
Tausende Gedanken schossen durch meinen Kopf, welche Meinung er wohl nun von mir haben mochte und keine der vorgestellten war positiv.

„Oh Tony, du bist so am Arsch“, murmelte ich vor mich hin. Ja, ich war wirklich am Arsch. Womöglich ließ er Alice meine Kündigung schreiben, die sie mir dann gleich vorbei bringen würde.

Schwermütig stand ich von meinem Platz auf dem Boden wieder auf und ging mit hängenden Schultern zum Schreibtisch, wo ich den Laptop zuklappte, meine Sachen in die Tasche packte und mich dann von allem Neuen, was mein hätte sein können, verabschiedete.

Ein letztes Mal sah ich aus dem großen, wunderschönen Rundbogenfenster hinaus auf die verschneite Straße.
„Good bye, du wundervolles London. Die zwei Tage waren schön gewesen“ Tränen stiegen mir in die Augen, die meinen Blick verschleierten. Himmel ich wurde ja richtig pathetisch. Aber auch kein Wunder, wenn man die Chance hatte, seinen Vater kennenzulernen und diese gekonnt in den Sand setzte..

Ich legte meine Hand auf die Fensterscheibe und schrieb mit dem Finger das Wort DAD darauf. Meine Fantasie erzeugte in diesem Augenblick die schönsten Bilder. Bilder, die nie sein würden, weil es nicht mehr möglich war.

Ich sah mich wieder als ein kleines Mädchen, das auf dem Schulhof mit den anderen Kindern spielte.

Das Klingeln der Schulglocke sagte mir, dass es nicht mehr lange hin war, bis ich abgeholt werden würde. Vorfreudig schnappte ich mir meinen Rucksack, rannte quer durch das Schulgebäude, bis ich den Ausgang erreichte und die Tür schwungvoll nach außen hin aufstieß. Am Straßenrand stand der Wagen meiner Mutter, sie lehnte dagegen und wartete auf mich. Allerdings war sie nicht alleine, sondern mein Vater war an ihrer Seite, hielt ihre Hand und beide winkten mir schon von Weitem zu.

Diese schöne Vorstellung zauberte mir ein sehnsüchtiges Lächeln auf die Lippen. Eine Träne, die mir entwichen war, rollte über meine Wange zum Kinn und tropfte von da auf meine Bluse.

Nie würde ich das erleben können, da meine Kindheit der Vergangenheit angehörte und man die Zeit leider nicht mehr zurückdrehen konnte. Vielleicht sollte ich mich einmal hinsetzen und über eine Zeitmaschine nachdenken. Aber was würde es bringen? Ich hatte keine schlechte Kindheit. Mum war immer für mich da, meist mehr eine Freundin, statt eine Mutter. Doch wenn es notwendig war, konnte sie streng sein und ihre Aufgabe glanzvoll erfüllen.

Was sie wohl gerade tat? Schlafen…antwortete mein Unterbewusstsein. Natürlich, schließlich war es tiefste Nacht in Pasadena. Irgendwie vermisste ich mein Zuhause, meine Freunde und mein gewohntes, chaotisches Leben. Naja, jetzt könnte ich ja zurück und so tun, als sei ich nie weg gewesen. Andererseits, Mum würde es komisch vorkommen, mich so bald wieder zu sehen, nicht, dass sie sich nicht freuen würde, aber Erklärungen müssten dann her, die ich nicht hatte. Beziehungsweise, es würden weitere Lügen sein. Und ich wollte Mum nicht noch mehr belügen, als ich es ohnehin schon getan hatte. Gewiss wäre sie sehr enttäuscht von mir.
Auch wenn sie nicht hier war konnte ich mir genau vorstellen, wie sie mich ansehen würde. Ich kannte ihren Blick, der soviel Enttäuschung und Vorwürfe enthielt. Einmal schon hatte sie mich damit bedacht. Es war, als sie herausfand, dass ich keine Jungfrau mehr war. Ja genau, ich hatte bereits Erfahrung mit einem Jungen gemacht, um genau zu sein mit Jason. Wir waren zu Anfang ein Paar gewesen, stellten aber nach einiger Zeit fest, dass uns nur Freundschaft miteinander verband und keine Liebe. Und ich wollte Liebe. Und zwar die Art, welche meine Mutter und mein Dad zusammen hatten, bevor…

Ich konnte diese Form der Gedanken nicht weiterführen, denn das Geräusch einer ins Schloss gefallenen Tür ließ mich aufschrecken.

Blitzartig drehte ich mich um und blickte in tiefgrüne, warme Augen.
Die meinen wanderten über seine Gesichtszüge, die mir nahezu alle Emotionen erzählten, die er zu empfinden schien. Er sah so gequält und zugleich entschuldigend aus. Ich verstand nur nicht, wieso. Nicht er beging einen Fehler nach dem anderen, sondern ich war doch diejenige gewesen, die immer und immer wieder ins Fettnäpfchen getreten war.

Mit gerunzelter Stirn legte ich den Kopf schief und beobachtete seine Reaktionen, doch er stand einfach nur da, wie eine Marmorstatue. Die einzige Regung fand in seinen Augen statt, die soviel Gefühl ausstrahlten, dass ich weiterhin nichts anderes tun konnte, als ihn anzustarren. Was gäbe ich dafür, wenn er mich nur in seine Arme schließen würde. Wir ungezwungen Vater und Tochter sein könnten.

Wieder füllten sich meine Augen mit Tränen, das Schluchzen konnte ich gerade noch so unterdrücken, jedoch fiel es mir unsagbar schwer. Der Drang mich ihm einfach an den Hals zu werfen und mich an seine starke Vaterbrust zu kuscheln überkam mich. Ohne auf meine Kopfstimme zu hören, die mir stetig predigte… Reiß dich zusammen, Tony…rannte ich auf ihn zu, umklammerte seinen Körper mit meinen Armen und presste mich so fest an ihn, als wäre er mein Rettungsanker, der mich vor dem Ertrinken bewahren könnte. Zudem flossen nun meine Tränen wie ein Wasserfall und auch das Schluchzen verließ schlussendlich meinen Körper.

„Es tut mir leid“, murmelte ich leise. Dann bemerkte ich, wie er seine Hände vorsichtig an meinem Rücken ablegte und wohlig auf und ab strich. Tief atmete er ein und ich tat es ihm gleich. Sein Duft war so außergewöhnlich und half zusätzlich zu seiner Berührung, mich zu beruhigen. Es tat gut. Es tat so verdammt gut. Genau das war es, was ich brauchte und all die Jahre gewollt hatte. Ich hatte endlich meinen Vater bei mir, was er leider nicht wusste. Und trotzdem fühlte sich noch besser an, als in meinen Träumen.

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