Hallo, das ist der Blog von meiner Fanfiktion "Family Affairs"

Ok eigentlich weiß ich nicht wirklich, was ich hier schreiben soll, aber wir machen das jetzt mal ganz easy.

Disclaimer: Also die Figuren gehören Stephanie Meyer, bis auf die, die ich erfunden oder aus der realen Welt, in meine Story, involviert habe.

Ein genaues Genre kann ich nicht angeben, da wirklich alles darin vereint ist. Wir hätten Liebe, Drama und sogar ein bisschen Humor.

So dann sag ich mal....Have Fun...beim lesen *gg*

Mittwoch, 24. März 2010

4. a little bit of drama

Stille.



Nichts war zu hören. Doch ich wusste, dass sie noch am Telefon war. Sicherlich war sie überrascht, sprachlos, wenn nicht gar geschockt. Mein Bein fing an unwillkürlich zu zucken, nervös fuhr ich mir durch die Haare, schluckte den Kloß hinunter, der sich aufs Neue in meiner Kehle gebildet hatte und suchte meine Stimme.



„Bella?“, kam es mir über die Lippen. Meine Stimme nahm einen ungewöhnlich weichen Klang an, den ich selbst nicht kannte. Und plötzlich tat sich was. Zuerst hörte ich nur ein Glucksen, was sich aber abrupt in ein hysterisches Lachen verwandelte. Ok, damit hatte selbst ich nicht gerechnet. Zu dem Lachen glaubte ich das Wort Halluzination heraus hören zu können. Sie glaubte es offenbar nicht, dass ich es war. Dachte sie wirklich, sie würde halluzinieren? Natürlich denkt sie das, du rufst nach 19 Jahren mal so mir nix dir nix bei ihr an….jeder würde so reagieren.

Ich wollte gerade zur Argumentation ansetzten und ihr versichern, dass sie nicht verrückt würde, doch da verstummte auch schon das Lachen wieder und stattdessen fauchte sie mit kühler, zorniger Stimme: „Wenn das ein Scherz sein soll, dann finde ich ihn nicht besonders witzig.“, Und das war es, was mir zeigte, wie sehr ich sie verletzt haben musste. Nie hatte ich einen derartigen Ton bei ihr gehört. Was war nur mit ihr passiert?



„Oh Bells, es tut mir so leid…“, flüsterte ich, doch meine Stimme brach. Krampfhaft hielt ich mir meine geballte Faust vor den Mund und war kurz davor hinein zu beißen. Innerlich verpasste ich mir einige Tritte, dass ich es gewagt hatte, nach so langer Zeit einfach das Telefon in die Hand zu nehmen und ihre Nummer zu wählen. Schließlich hatte ich keine Ahnung, wie sie auf mich reagieren würde. Wusste nicht wirklich, was mein fortgehen bei ihr ausgelöst hatte. Immer wieder drang ein gehauchtes „Nein“, an mein Ohr und ich konnte sie bildlich vor mir stehen sehen, wie sie mit vor Schock geweiteten Augen, kopfschüttelnd und womöglich ihre rechte Hand aufs Herz haltend sich anspannte. Ich wollte mich erklären und stetig entwich ihr Name meiner Kehle, als ich auf einmal ein lautes „merda“, vernahm. Zwar konnte ich kein Italienisch, doch dieses Wort war mir bekannt. Zuletzt schrie ich nur noch „Bella?“

Durch das Telefon hörte ich eine andere weibliche Stimme. „Bella…Momma, ich bin hier, bitte komm wieder zu dir.“, es war nur ein leises Schluchzen, allerdings wurde mir durch die Worte, die langsam in mein Gehirn sickerten, erneut der Boden unter den Füßen weggerissen.



Wie in Trance legte ich den Hörer zurück auf die Station. Es waren zwei Dinge, die mir durch den Kopf schossen und sich an meinen Gehirnwindungen festkrallten. Mein Anruf hatte Bella offenbar zu sehr geschockt. Sie schien ohnmächtig geworden zu sein.

Und Momma….hatte die andere Stimme gesagt. Gab es etwa doch noch ein Kind? Ein Kind mit einem anderen? War Maria womöglich doch nicht meine Tochter? Aber diese Ähnlichkeiten…

Stimmten Alice Recherchen vielleicht nicht. Waren diese unvollständig? Ich musste es herausfinden.



Ein Flug, ich brauchte einen verdammten Flug. Ob mein plötzlich so dringendes Bedürfnis sie zu sehen nun daher rührte, dass ich einfach neugierig war ... oder doch viel mehr davon kam, dass ich eine unglaubliche Sehnsucht nach ihr verspürte, seit ich ihre Stimme wieder gehört hatte, konnte ich nicht genau sagen. Aber das Gefühl, dass in mir aufkeimte, befahl mir regelrecht, mich in Bewegung zu setzen.



Und das tat ich. Mein Stuhl rollte nach hinten weg und knallte mit voller Wucht gegen die Wand, als ich aus diesem heraussprang. Ich rannte regelrecht zur Tür, die ich hastig aufstieß.

„Alice, buch mir sofort einen Flug nach Pa…“, rief ich, stoppte jedoch, als ich sie sah.

Maria ... Antonella. Sie stand nur wenige Meter entfernt und sie war…Bella. Bis auf die Augen und den Mund, war alles an ihr ... meine Bella. Nein, ich hatte mich nicht getäuscht, sie musste einfach meine Tochter sein. Mein Kind, welches hier bei mir in England war und um das ich mich nun zu kümmern hatte, auch wenn ich es nicht so tun könnte, wie ich es gerne wollte. Noch nicht!

Ich wollte etwas sagen, doch ihr Anblick fesselte mich derart, dass ich nicht ein Wort herausbrachte. So wie sie da stand und mich ansah, war sie ihrer Mutter so ähnlich. Man könnte sogar meinen, sie wäre Bellas Zwilling.



Wie könnte ich sie jetzt hier alleine lassen? So sehr ich mich auch danach sehnte, mich sofort in den nächsten Flieger nach Pasadena zu setzen, so konnte ich es doch nicht. Bella hatte es neunzehn Jahre ohne mich geschafft und war um sovieles stärker gewesen als ich. Hatte studiert und nebenbei unsere Tochter zu einer großartigen Person erzogen, soweit ich das bis jetzt beurteilen konnte. Und doch schaffte es alleine ein Anruf von mir, sie in die Ohnmacht zu treiben. Wie würde sie dann auf einen direkten Besuch reagieren? Es war ein regelrechter Zwiespalt, in dem ich steckte und sowohl mein Herz, als auch mein Verstand hatten beide keine Antwort für mich. Welche Entscheidung wäre die richtige?



Meine Überlegungen wurden unterbrochen, als mich irgendetwas berührte. Vor Schreck, da ich zu vertieft in meine Gedanken gewesen war, zuckte ich zusammen.

„Wie bitte?“, fragte ich und sah auf meine Hände, in denen sich auf einmal ein paar Akten befanden. Dann erinnerte ich mich, dass mir Alice immer kurz bevor sie ging, die bearbeiteten Akten brachte.

„Ähm ..ja danke, Ms. Brandon“, erst nachdem die Worte meinen Mund verlassen hatten, bemerkte ich, dass ich meine beste Freundin mit Nachnamen angesprochen hatte. Das tat ich sonst nie. Himmel, ich war wirklich völlig durch den Wind.



Plötzlich stand sie vor mir…Antonella…meine Tochter. Sie war so nah, dass ihr Duft mir wieder in die Nase stieg. Ich musste mich arg zusammenreißen, um nicht meine Augen zu schließen und diesen tief einzuatmen.

„Ja, Ms. Masen?“, war das einzige, was mir in diesem Moment einfiel. Ich wusste nicht, was ich hätte sagen sollen. Wie vor wenigen Stunden schon, wollte ich sie am liebsten fest an mich drücken und ihr zeigen, wie schön ich es fand, eine solch hübsche, intelligente Tochter zu haben.

Tief sah sie mir in die Augen. Die ihren sahen traurig aus und spiegelten offensichtlich die gleichen Gefühle wieder, die vermutlich auch in meinen zu sehen waren. Angst, Sehnsucht, Schmerz und Hilflosigkeit.

Angst davor, was noch alles auf mich zukommen würde. Sehnsucht nach Bella und Antonella, weil ich beide um mich wissen wollte. Schmerz, weil ich noch nicht offen zeigen konnte, was ich wusste und aufgrund der Tatsache, dass ich nicht bei meiner Bella sein konnte. Und die Hilflosigkeit bestand darin, dass ich keine Ahnung mehr hatte, was Richtig und was Falsch war.



Die Worte „Tut mir Leid“ konnte ich nur von ihren Lippen lesen, denn sie hauchte sie so leise, dass ich mich selbst, wenn ich gedanklich vollkommen anwesend gewesen wäre, hätte sehr konzentrieren müssen, um sie zu verstehen. Für was entschuldigte sie sich? Für die Ohrfeige oder für das Theater, dass sie versuchte zu spielen?



Mir dröhnte der Kopf. Meine komplette Gedankenwelt war durcheinander gewirbelt und ich brauchte Ruhe. Musste nachdenken, was meine nächsten Schritte sein sollten. Ohne ein Wort drehte ich mich um, schloss die Bürotür von innen und lief auf meinen Schreibtisch zu, wo ich die Akten ablegte. Dafür hatte ich heute wahrlich keine Nerven mehr. Stöhnend ließ ich mich in den Sessel fallen und fuhr mir durch die Haare. Wie konnte es sein, dass nur ein einziger Tag soviel verändern konnte? Aber was stellte ich mir ausgerechnet diese Frage? Ich kannte es doch nicht anders. Schließlich war es nicht das erste Mal. Wenn sich irgendetwas in meinem Leben ereignete, dann geschah dies immer Schlag auf Schlag, ohne Vorbereitung oder Andeutung.



Selbst der Tod meines Vaters kam überraschend. Manchmal gab ich mir dafür noch die Schuld, jedoch hatten mich die Ereignisse geprägt und um ehrlich zu sein, hasste ich ihn. Denn Edward Cullen Senior war ein verdammtes, tyrannisches Arschloch. Nicht nur, dass er meine Mutter in den Tod getrieben hatte, mit seinen Affären und kriminellen Geschäften, als ich noch ein Junge im zarten Alter von sieben Jahren war. Nein, auch er war es, der mir sprichwörtlich die Pistole auf die Brust gesetzt hatte, damit ich Bella verlasse.



Der Gedanke an das letzte Gespräch in Forks, bevor ich sie verlassen hatte, trieb mir die Übelkeit die Kehle hoch. Schnell verdrängte ich alles wieder. Wollte nicht mehr daran zurück denken. Wieso auch? Er war nun tot und somit auch aus meinem Leben. Er konnte weder mir, noch anderen mehr etwas anhaben. Doch seine Worte werde ich nie vergessen, die mich dazu gebracht hatten, SIE, meine ewige Liebe, zu verlassen. „Dein Leben gegen das ihre. Du hast die Wahl, mein Sohn.“


Ich hatte keine Wahl, nie! Entweder würde ich sie verlassen oder er würde ihr Leben beenden. So hatte ich es zumindest verstanden. Wie genau er das meinte, konnte ich bis heute nicht deuten, aber ich wollte auch nichts riskieren. Ihr Leben nicht riskieren. Mein Vater war ein skrupelloser Mann und zu allem fähig. Und den Grund weshalb er dies forderte, nannte er mir auch nie.


Das Bild, wie er vor mir lag, um die letzten Atemzüge ringend, hatte sich in mein Gedächtnis gebrannt. Doch zu einer Gefühlsregung diesbezüglich war ich weder damals noch heute fähig. Ja, mein Vater starb vor meinen Augen an einem Herzinfarkt, nach einer heftigen Auseinandersetzung mit mir und ich stand einfach nur daneben, blickte kühl auf ihn hinab, während er darum bettelte, dass ich doch einen Arzt rufen sollte. Ich war zur Salzsäure erstarrt und die einzigen Gedanken, die ich in dem Moment hegte, waren: Leide du Drecksack, leide so wie ich all die Jahre gelitten hatte!


Konnte man es mir verdenken? Schließlich hatte er mir zweimal das genommen, was ich über alles geliebt hatte.


Nachdem er vollends in sich zusammen gebrochen war, erwachte ich aus meiner Starre und rief den Notarzt. Natürlich war es da schon zu spät. Doch ich wollte diesem Kerl nicht noch nach seinem Tod die Genugtuung geben, mich einbuchten zu lassen, wegen unterlassener Hilfeleistung. Keiner konnte mir nachweisen, dass ich ihn nicht rechtzeitig gefunden hatte und zum Telefon griff.


Mittlerweile war es nach halb sieben und es wurde Zeit, den Weg nach Hause anzutreten. Dort wartete immerhin Tanya - meine kleine Prinzessin - auf mich, die ich seit langem mal wieder für zwei Wochen zu Besuch hatte. Für sie besorgte ich mir extra ein Au-Pair Mädchen aus Deutschland, dass sich ganz meiner Tochter widmen konnte, während ich arbeitete. Und wenn Tanya bei ihrer Mutter war, kümmerte sie sich hauptsächlich um meinen Haushalt.


Schnell packte ich meinen Aktenkoffer zusammen, zog mir mein Jackett wieder an, welches ich schon vor Stunden ausgezogen hatte und griff in einer der Taschen nach meinem Autoschlüssel. Dann verließ ich zügigen Schrittes mein Büro. In der Empfangshalle verabschiedete ich mich mit einem schlichten Kopfnicken von Jasper und lief dann die weißen Treppenstufen hinunter, bis zu meinem Wagen. Einem silbernen Mercedes F800 mit Flügeltüren und rotbraunen Lederbezügen. Eigentlich machte ich mir nichts aus materiellen Dingen, doch was dieses Baby anbelangte, war ich mehr als penibel. Mein Auto wurde jeden zweiten Tag gewaschen und poliert. Keiner außer mir durfte damit fahren.



Ich fuhr durch Londons Straßen, Richtung Chelsea, zu meinem Wohnsitz in der Kings Road. Von außen sah das Haus eher unscheinbar aus. Ein einfaches rotes Backsteingebäude, mit meterhohen weißen Fenstern, doch innen war es der pure Luxus. Ich hatte keinen müden Cent an der Inneneinrichtung gespart. Eigentlich war es das Geld meines Vaters, das ich mit vollen Händen ausgab, also interessierte es mich recht wenig. Ich gönnte mir italienischen Marmor für den Boden und echte persische Teppiche als Wanddekoration. Einen Kamin im Wohnzimmer, der als Mittelpunkt des ganzen Raumes diente und ebenfalls aus grauem Marmor erbaut wurde. Die Möbel ließ ich speziell aus einer der teuersten und härtesten Holzarten, dem Wüsteneisenholz, herstellen. Jedes Teil ein Einzelstück und genau aufeinander abgestimmt.



Kurz nach sieben Uhr parkte ich meinen Wagen vor dem Haus. Die Gegend hier war eine der wenigen, mit einer äußerst niedrigen Kriminalitätsrate, zudem besaß mein Flitzer eine Alarmanlage, sodass ich ihn ohne weiteres stehen lassen konnte. Und bisher war nie etwas passiert, was besorgniserregend hätte sein können.



Ich schnappte mir meinen Mantel und den Aktenkoffer vom Beifahrersitz und stieg aus dem Wagen, verharrte einen Moment in meiner Bewegung und blickte die Straße hinunter. Nur wenige Menschen waren noch unterwegs, was nicht ungewöhnlich war um diese Jahres- und Tageszeit. Alles wirkte so friedlich und der laue Novemberwind fegte durch die letzen vorhandenen Blätter, die noch an den Bäumen hafteten. Tief sog ich die frische, kühle Luft in meine Lungen, schloss meine Augen und genoss den Augenblick der Ruhe. Die letzten Stunden hatten sehr an meinen Kräften gezehrt und ich fühlte mich vollkommen ausgelaugt.



„Daddy, Daddy…endlich bist du zu Hause“, drang die Stimme von meiner kleinen Prinzessin an mein Ohr. Sofort öffnete ich meine Augen wieder und sah zur Haustür, wo mein kleines Mädchen stand – zappelig vor Aufregung, da ich nun endlich zu Hause war. Hinter ihr, Anne, das Au-Pair Mädchen, die Tanya an den Schultern zurück hielt, damit sie nicht ohne Jacke aus dem Haus rennen konnte, um mich stürmisch zu begrüßen. Beide hatten ein strahlendes Lächeln auf den Lippen, welches ich erwiderte.

Je mehr ich mich den beiden näherte, umso aufgeregter wurde meine Tochter.


Nachdem ich die letzte Stufe der kleinen Steintreppe erklommen hatte, sprang sie mir auch schon in die Arme. Mantel und Tasche ließ ich auf der Stelle fallen und drückte meine kleine Prinzessin fest an mich. Während ich sie so umarmte, hob Anne meine Sachen auf und verstaute diese in der winzigen Kleiderkammer neben der Haustür.

Sie war eine hübsche Dreiundzwanzigjährige, mit braunen Naturwellen bis über die Schultern und grau-grünen Augen. Sie hatte ein wenig mehr auf den Hüften, was aber zu ihr passte. Und wenn sie nicht für mich arbeiten würde, dann wäre sie sicherlich eine, die ich mir gut in meinem Bett hätte vorstellen können. Doch ich hatte meine Prinzipien…fang niemals etwas mit Angestellten an. Und daran hielt ich mich auch.

Tanya noch immer in den Armen haltend ging ich ins Haus.

„Na, was hat meine Prinzessin heute alles getrieben?“, fragte ich interessiert, streichelte ihr sanft über ihr rotblondes, langes Haar und setzte sie dann ab, nahm aber eine ihrer kleinen Hände in meine und zusammen durchquerten wir die große Eingangshalle in Richtung Wohnzimmer. Meine Tochter fing sofort an fröhlich zu erzählen, wie sie ihren Tag verbracht hatte, welche Themen sie in der Schule durchnahmen und was der neueste Klatsch und Tratsch bei den elfjährigen Mädchen aus ihrer Klasse war. Es war etwas beängstigend, wie frühreif die meisten Klassenkameradinnen von ihr schon zu sein schienen. Das Thema Jungs stand bereits ganz oben auf deren Liste, umso beruhigender für mich, dass meine Kleine noch mit Barbies spielte und keinerlei Interesse am anderen Geschlecht aufzeigte.


Ich saß in meinem Sessel vor dem Kamin, meine Kleine auf meinem Schoß. Wir wärmten uns am knisternden Feuer und unterhielten uns, bis das Abendessen angerichtet wurde. Es war angenehm den kindlichen Erzählungen meiner Tochter zuzuhören, was die anderen Gedanken verdrängte. Es kam nicht oft vor, dass ich mit meiner Prinzessin Zeit verbringen konnte, also nutze ich jede Minute, die mir vergönnt war.


Die letzten Minuten verbrachten wir schweigend. Tanya kuschelte sich an meine Schulter und beide starrten wir in das Feuer und hingen unseren Gedanken nach.


„Dad?“, flüsterte mein kleines Mädchen.

„Ja, mein Spatz?“

„Mum hat heute angerufen. Sie will mich schon am Freitag wieder abholen.“, erschrocken über diese Sache blickte ich Tanya in ihre traurigen, blauen Augen. Wieso schon Freitag? Das war so nicht abgemacht. Ich wollte das Wochenende mit ihr verbringen, schließlich war das die Zeit, in der ich nicht arbeiten musste.

„Hat deine Mutter einen Grund genannt, wieso?“ Ärger schwang in meiner Stimme mit, aber meine Tochter wusste, dass er nicht gegen sie gerichtet war.

„Sie möchte mit mir in den Skiurlaub fliegen, nach Aspen“, ihr Schulterzucken sagte mir, dass sie nicht unbedingt Lust dazu hatte, was mir klar war, denn Tanya mochte den Winter genauso wenig wie ich. Sie war eher das Mädchen, das am Strand spielte und dort Sandburgen baute.

„Du willst da nicht mit, richtig?“, sie schüttelte mit dem Kopf und ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht. „Soll ich deine Mum anrufen und sie fragen, ob du bei mir bleiben kannst?“, Tanyas Augen begannen zu funkeln „Ja, Dad, bitte! Ich hasse Schnee, außerdem ich kann nicht mal Skifahren.“, beantwortete sie meine Frage und verdrehte ihre wunderschönen Augen. Ich fing herzhaft an zu lachen und auch sie stimmte mit ein.


Der Anblick von ihr war schön, wie die kleinen Sommersprossen, die kaum zu sehen waren, sich zusammenzogen, wenn sie die Nase kräuselte und mit weit aufgerissenem Mund lachte. Es war ein unbeschwertes Lachen ohne Sorgen und Probleme. Obwohl das nicht ganz richtig war, denn immerhin hatte sie selbst Sorgen. Die Situation, stetig zwischen Cat und mir hin und her gereicht zu werden, belastete sie genauso, wie auch mich. Doch dies war die einzige Möglichkeit uns beiden nahe zu sein.


„Mr. Cullen, das Essen ist nun angerichtet.“, informierte uns Anne, die auf der Schwelle von Wohnzimmer und Esszimmer stand.

„Danke, Anne. Tanya geh schon mal vor, ich komme gleich.“, bat ich meine Tochter, die sofort aufsprang und mir noch einen Kuss auf die Wange aufdrückte, bevor sie mit Anne zum Essen ging.

Derweil zückte ich mein Handy und wählte Catherins Nummer. Nach nur wenigen Sekunden nahm sie ab.

„Edward?“

„Wieso hältst du dich nicht an unsere Absprachen?“, kam ich direkt zum Punkt, ohne Begrüßung.

„Sie ist meine Tochter und wenn ich mit ihr in den Urlaub fliegen will, dann tue ich das. Ich brauche dein Einverständnis nicht“, ihre Stimme war kühl und schneidend.

„Unsere Tochter.“, berichtigte ich ihre Worte „Und vielleicht brauchst du das meinige nicht, aber Tanya ist alt genug, um selbst entscheiden zu können. Sie möchte nicht nach Aspen, sondern bei mir bleiben.“, klärte ich sie auf, anscheinend waren ihr die Wünsche unseres Kindes egal.

„Ach hat sie das gesagt?“

„Natürlich, meinst du ich denke mir das aus? Hast du sie denn gefragt, ob sie das will? Offensichtlich nicht, sonst wüsstest du es.“, gab ich barsch zurück. Was war nur in diese Frau gefahren? Sie war doch sonst nicht so…so rücksichtslos.

„Gib sie mir, ich möchte das von ihr selbst hören.“, forderte sie, im Hintergrund konnte ich sie tippen hören. Wahrscheinlich schrieb sie an ihrem neuen Roman, denn Cat war Buchautorin. Bisher schrieb sie nur Kinderbücher, doch nun wollte sie sich an etwas Größeres heran wagen.

„Okay, warte einen Moment, sie ist gerade beim Essen.“, informierte ich sie und lief ins Esszimmer zu Anne und meiner Tochter.


„Tanya deine Mutter möchte mit dir sprechen“, sie sah mich überrascht an, als ich ihr das Telefon entgegen hielt. Sie nahm es und führte es zu ihrem Ohr.


„Mum?“, sie klang ein wenig ängstlich, was aber wohl daran lag, dass sie keinen von uns beiden enttäuschen wollte.

„Ja, möchte ich, bitte“, sagte sie nach wenigen Sekunden in den Hörer.

„Okay. Hab dich auch lieb.“, verabschiedete sie sich und gab mir mein Handy, mit einem Lächeln auf den Lippen, zurück. Ich nahm es entgegen und wusste, das Cat noch dran war.

„Catherine?“, fragte ich vorsichthalber nach.

„In Ordnung, Edward. Tanya kann bei dir bleiben, bis ich wieder aus dem Urlaub zurück bin. Passt dir das denn überhaupt?“, Ob mir das passte?

„Natürlich. Ich freue mich sehr darüber“, grinste ich und zwinkerte meiner Tochter zu, die mich erwartungsvoll ansah. Sofort wurde ihr Lächeln noch breiter. Mit einem Finger deutete ich auf den Tisch, damit sie weiter aß.


„Gut, dann hole ich sie in drei Wochen bei dir ab. Kümmer dich gut um meine Kleine. Bye“, Cat legte auf, noch ehe ich etwas erwidern konnte, aber mir sollte es recht sein. Froh darüber, dass ich mit meiner Prinzessin noch mehr Zeit verbringen durfte, steckte ich mein Handy zurück in die Hosentasche und setzte mich neben sie an den Tisch.



Während des Essens schmiedeten wir Pläne, was wir alles tun könnten an meinen freien Tagen. Zusammen mit Anne lachte ich ausgelassen und wir gaben uns wenige Momente den kindlichen Fantasien meiner Tochter hin. Die Zeit verging wie im Flug und als die große Standuhr neben der Tür zur Küche Neun schlug, verabschiedete ich mich von meiner Tochter, für die es nun Zeit zum schlafen war. Unser abendliches Ritual bestand darin, dass wir uns sagten, wie lieb wir uns hatten, unterstrichen dies mit Vergleichen wie: „Ich hab dich so lieb, wie es Sandkörner in der Wüste gibt.“ oder „So sehr lieb, wie Fische im Ozean leben“. Zuletzt gab es noch ein Eskimoküsschen und einen Kuss auf die Stirn. Dann ging Anne mit Tanya nach oben.



Emotional gespalten machte ich mich wieder auf ins Wohnzimmer. Lief zu dem großen Globus neben der dunklen Ledercouch, betrachtete einen Augenblick den Kontinent, welcher früher mal mein zu Hause gewesen war und öffnete dann die Weltkugel, die in ihrem Inneren eine kleine Bar beherbergte. Darin stand eine Karaffe mit Glenfiddich Whisky, die Flasche für knappe 17 000 Pfund, dazu die passenden Gläser. Ich goss mir eines davon halbvoll und setzte mich erneut in den Sessel vor den Kamin. Ich spielte mit dem teuren Whisky-Tumbler, ein rundes Glas mit verstärktem Boden aus Kristall, kurz in meiner Hand. Der Schein des Feuers brach sich darin und tausende von Farben blitzten in alle Richtungen auf. Dann nahm ich einen Schluck von dem riesigen Bouquet aus frisch gestochenem Torf, verbranntem Heidekraut, alten Büchern, Leder und Eichenholz. Einige Sekunden behielt ich diesen im Mund, ehe der gute Tropfen meine Kehle hinab rann. Der weiche und seidige Geschmack wickelte sich mit süßen Aromen, die an Karamellsirup, Crème Brulée und geröstete Mandeln erinnerten, um meine Zunge.

Ein Stöhnen entwich mir und mein Blick lag starr auf dem Feuer vor mir.



Meine Gedanken kehrten zu den vergangenen Ereignissen des Tages zurück und erneut keimte ein merkwürdiges Gefühl im Inneren meines Körpers auf. So langsam realisierte ich, was heute wirklich geschehen war. Nicht nur, dass mir nun gestattet wurde, mich zusätzliche zwei Wochen um Tanya zu kümmern, sondern ich bekam noch eine Tochter hinzu, die sich nicht als diese zu erkennen gab. Ein Kind von der Frau, die meine erste große Liebe war und bis heute noch tief in meinem Herzen verblieb. Die ich mich in meiner Euphorie nach so langer Zeit getraute anzurufen. Plötzlich drang das Gespräch mit Bella wieder zu mir durch und ich verkrampfte mich.


Was hatte ich ihr nur angetan? Hatte ich wirklich denken können, sie würde sich darüber freuen, wieder etwas von mir zu hören? Wie hätte ich wohl reagiert? Gerade als ich einen weiteren Schluck dieser braunen Köstlichkeit zu mir nehmen wollte, öffnete sich die Tür. Mit einem Blick über meine linke Schulter entdeckte ich Anne. Schüchtern stand sie nur wenige Meter hinter mir und musterte mich.


„Ihre Tochter schläft und wenn Sie nichts mehr brauchen, würde ich auch gerne zu Bett gehen.“, berichtete sie.

„Danke Anne. Nein ich benötige nichts, geh ruhig schlafen.“, meine Stimme war leise, man konnte die Erschöpfung buchstäblich daraus hören. Sie bewegte sich nicht und sah mich einfach nur mit ihren großen, schönen Augen an. Ich zog eine Braue in die Höhe und wartete, denn offensichtlich wollte sie noch etwas.

„Ist alles in Ordnung mit ihnen, Sir?“, fragte sie mich und ich konnte mir ein spöttisches Auflachen nicht verkneifen. Nichts war in Ordnung. Schließlich erfährt man nicht alle Tage, dass man schon seit achtzehn Jahren eine Tochter hat. Schnell trank ich einen Schluck und fuhr mir dann mit der rechten Hand durch die Haare.

„Darf ich dich was fragen, Anne?“

„Natürlich, Sir!“, war ihre prompte Antwort und sie kam auf mich zu. Sie stand nun neben mir und ich richtete meine Augen wieder auf das knisternde Feuer.

„Du bist noch so jung, aber warst du schon mal verliebt? Ich meine so wirklich?“ Keine Ahnung, warum ich gerade mit einem Mädchen, welches für mich arbeitete, darüber sprach, aber ich brauchte das jetzt einfach.

Anne überlegte kurz. „Sie meinen mit Schmetterlingen im Bauch, ständigen Gedanken, wie toll dieser Mensch doch ist, im Kopf und dem Wunsch, immer mit dieser Person zusammen zu sein? Alles mit ihr zu teilen und alles durchzustehen, egal ob gut oder schlecht?“ Sie hatte es auf den Punkt gebracht. So fühlte ich mich damals, wie auch heute. Heute noch mehr, da sie einen Weg zurück in mein Leben gefunden hatte. Zwar dachte ich oft an sie zurück, jedoch war es irgendwie anders. Ich lernte mit meiner Liebe zu ihr umzugehen. Doch nun da ich wusste, dass wir etwas Gemeinsames erschaffen hatten, etwas so schönes, liebliches und reales, konnte ich die Sehnsucht nach ihr ... nach einem uns nicht mehr unterdrücken.

„Nein Sir…“, sie stockte „…aber wenn dies einmal der Fall sein sollte, dann würde ich alles für diese Liebe geben, damit sie funktioniert.“ Zum Ende hin wurden ihre Worte immer leiser. Automatisch hielt ich den Atem an. Wieder traf sie den Nagel auf den Kopf mit ihrer Antwort und schmerzlich verzog ich mein Gesicht. Sie sah es.

„Was, wenn man alles versucht hat zu geben und es trotzdem nicht ausreichend war?“ Meine Augen füllten sich mit Tränen. Damit diese nicht entweichen konnten, schloss ich sie. Ich erwartete keine Antwort, denn wie konnte mir jemand unerfahrenes, wie sie, eine solche geben, wenn ich selbst keine hatte?

„Sir, ich denke es ist nie zu spät, um für seine Liebe zu kämpfen.“, unterbrach sie meine Gedanken. Von dieser Seite hatte ich es noch nie betrachtet. Wieso nicht? Mein Vater war nun schon sieben Jahre tot und trotzdem wagte ich mich danach nicht, sie aufzusuchen. Stattdessen ergab ich mich meinem Leid und dem Leben, welches ich mir aufgebaut hatte. Mussten erst eine bereits erwachsene Tochter und ein Au-Pair Mädchen kommen, um mich wach zu rütteln? Offensichtlich!

„Danke, Anne, du hast mir sehr geholfen.“, entgegnete ich und lächelte sie an.

„Wenn das dann alles war, Sir…“

„Ja, du kannst gehen. Aber zuvor…sei so nett und nenn mich doch Edward. Sir klingt so…so spießig.“

Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen, Erstaunen lag auf ihrem süßen Gesicht, doch dann nickte sie und schritt auf die Tür zu. Ehe sie jedoch den Raum verließ, wandte sie sich noch mal an mich. „Gute Nacht, Edward“

„Gute Nacht, Anne“, erwiderte ich. Dann verschwand sie.


Den letzten Schluck aus dem Tumbler trinkend ließ ich mir ihre Worte noch einmal durch den Kopf gehen…Es ist nie zu spät, um für seine Liebe zu kämpfen…dabei merkte ich nicht, wie mir langsam die Augen zufielen und ich einschlief.



Als sich meine Lider öffneten, war ich nicht mehr in meinem Haus in Chelsea, sondern ich stand auf den Klippen von La Pusch und vor mir stand sie…meine Bella. Doch sie war keine siebzehn mehr. Sie sah erwachsener aus. Die Haare länger, ihr Körper war noch zierlich und doch um vieles fraulicher. Bella stand mit dem Rücken zu mir vorne auf dem Felsen, die Arme weit ausgebreitet, das Gesicht nach oben gen Himmel gestreckt und hatte die Augen geschlossen. Allerdings war da kein Lächeln, sondern die Spuren von unzähligen Tränen zeichneten sich auf ihrem wunderschönen Gesicht ab. Eine halbe Ewigkeit stand ich so da und beobachtete sie. Der Wind wehte durch ihre Haare und das schwarze Kleid, welches sie trug. Ich vermutete, dass es Sommer war, ehe ich bemerkte, dass sie zitterte und sich eine Gänsehaut auf ihrem Körper gebildet hatte. Sie fror.

Erschrocken blickte ich an mir hinunter. Ich sah noch genauso aus, wie heute früh als ich zur Arbeit ging und diese auch wieder verließ. Allerdings spürte ich weder Wärme, noch Kälte.

Aus dem Augenwinkel konnte ich eine Bewegung erhaschen. Sofort sah ich zu Bella, die sich immer weiter nach vorn bewegte. Panik machte sich in mir breit. Ich wollte sie zurückhalten, doch ich konnte mich nicht bewegen. Es kam mir vor, als wenn mein Körper aus Stein wäre und dieser sich mit den Klippen unter mir verbunden hätte. Da ich mich nicht rühren konnte, fing ich an zu schreien. Schrie ihren Namen, aber auch das war vergeblich. Sie hörte mich nicht. Doch dann stoppte sie am Rande des Felsens. Ihr Kopf senkte sich und ich nahm an, dass sie nun auf das Wasser, die Wellen hinunter blickte. Mittlerweile bebte ihr Körper vor Kälte und nicht nur das. Sie weinte.

„Warum hast du mich nur verlassen?“, drang die geschluchzte Frage in meine Ohren. Sofort schrie ich ihr meine Antwort entgegen. „Ich wollte es nicht. Es war zu deinem Besten. Bella ich liebe dich doch.“

Keine Reaktion.

„Irgendwann werden wir wieder vereint sein, mein Liebster.“, waren ihre letzten Worte, dann machte sie noch einen Schritt und fiel.

„NEEEIIIN! ICH BIN HIER, BELLA. HIER BEI DIR!“, aber es war zu spät.



Noch immer ihren Namen schreiend wachte ich aus diesem Alptraum auf. Mein Herz und mein Puls rasten um die Wette. Meine Atmung war so schnell, dass ich kurz davor stand zu hyperventilieren. Plötzlich fuhr mir der Schmerz durch meine linke Hand. Sofort machten sich meine Augen auf die Suche nach der Quelle dieses Gefühls. Starr sah ich auf die Blutüberlaufene Stelle und erkannte, dass ich das Glas, welches sich darin befand, zerdrückt hatte und die Splitter sich noch immer in meine zusammen gekrampfte Hand pressten. Augenblicklich lockerte ich sie, was gar nicht so einfach war, denn Taubheit breitete sich aus und ich hatte Mühe, die restlichen Scherben heraus zu ziehen. Schnell machte ich mich auf den Weg ins Bad, spülte meine Wunden mit kaltem Wasser aus, band vorsichtig ein Handtuch darum und schluckte zwei Tylenol, die ich dem Medinzinschrank entnahm.

Dem Blick in den Spiegel wich ich aus. Auch ohne hinein zu schauen wusste ich, wie furchtbar ich aussehen musste.


Völlig fertig mit den Nerven ging ich nach oben in mein Schlafzimmer, zog mich bis auf die Boxershorts aus. Die Sachen ließ ich einfach neben dem Bett fallen und legte mich auf die weiche Matratze und hoffte, dass ich durch die Wirkung der Schmerzmittel, wieder zügig einschlafen konnte. Doch weit gefehlt. Die Angst, diesen Alptraum ein weiteres Mal zu träumen, hielt meinen Verstand wach. Obwohl ich spüren konnte, dass mein Körper seine Ruhe wollte, verspotteten mich meine Gedanken.

Diesen ergeben kroch ich aus meinem Bett und lief in meinen begehbaren Kleiderschrank. Dort fiel mein Blick auf einen kleinen Karton direkt unter der Sockenschublade. Im ersten Moment zögerte ich, doch dann stürzte ich mich regelrecht auf ihn. Zitternd öffnete ich ihn. Obenauf lag ein kleines Portrait-Foto von Bella. Dies hatte sie mir einige Wochen vor meinem Weggang aus Forks geschenkt. Als Erinnerung, wenn ich auf dem College einsam wäre. Es waren mindestens zehn Minuten, die ich es anstarrte. Dann legte ich es beiseite und schon kam das nächste Foto zum Vorschein. Das Bild zeigte uns zusammen im Veela an ihrem siebzehnten Geburtstag. Beide hatten wir so komische kleine Partyhütchen auf, Luftschlangen und Konfetti in den Haaren. Es war der letzte Tag, an dem wir so ausgelassen und unbeschwert miteinander umgingen. Ihr Dad hatte dieses Foto von uns gemacht und mich nach fast zwei Jahren Beziehung mit Bella in der Familie willkommen geheißen. Damals war es das tollste und schönste für mich und ich wollte weder sie noch ihn enttäuschen.

Ein weiteres Bild zeigte den Strand von La Push, wir zusammen an einem Lagerfeuer, mit meinem Cousin Emmett und dessen damaliger Freundin, mit der er zu Besuch bei uns war. Es war eine unserer üblichen Strandpartys. Nach und nach betrachtete ich mir alle Fotos, die ich aufbewahrt hatte und am Boden des Kartons kam ein Stapel Briefe zum Vorschein. Briefe die ich geschrieben, jedoch nie abgeschickt hatte. Zeilen, mit denen ich versuchte mein Fortgehen zu erklären und mit jedem zweiten Satz beteuerte, wie sehr ich sie doch liebte. Erneut bahnte sich die salzige Flüssigkeit einen Weg aus meinen Augen, über meine Wange. Die Tränen tropften auf das bereits vergilbte Papier und verwischten die schwarze Tinte.

Wieder kam mir mein Traum in den Sinn. Ich musste wissen, was nach meinem Anruf vom späten Nachmittag passiert war. Musste mich beruhigen und absichern, dass es ihr gut ging. Nach einem Blick auf den Radiowecker, auf meinem Nachttisch, sah ich, dass es fast ein Uhr nachts war. In meiner Hose kramte ich nach meinem Handy und setzte mich, als ich es in der Hand hielt, auf die Bettkante. Die Nummer hatte ich bereits nach einem Mal wählen im Kopf und würde sie auch so schnell nicht mehr vergessen. Eilig tippte ich die Ziffern ein und drückte dann den grünen Knopf.

„Bei Swan“, erklang eine weibliche Stimme nach viermaligen Klingeln. Ich wollte etwas sagen, doch meine Kehle war wie zugeschnürt. Es war nicht Bella, sondern jemand anderes und ich musste mich zwingen, die Zähne auseinander zu bekommen und meinen Worten, die sich in meinem Kopf formten, eine Stimme zu verleihen.

„Hallo, wer ist denn dran?“, kam die Frage, die ich heute schon einmal gehört hatte. Tief sog ich die Luft ein, hielt sie einen Moment in meinen Lungen, nur um sie wieder kräftig auszustoßen.

„Ha…hallo…ist Bella zu sprechen?“, fragte ich stotternd.

„Nein, tut mir leid, aber Bella schläft. Kann ich ihr etwas ausrichten, Mister…?“, es war klar, dass sie meinen Namen wissen wollte. Aber das Mädchen würde wohl kaum was damit anfangen können. So dachte ich zumindest.

„Cullen! Edward Cullen.“, sagte ich und wollte noch etwas hinzufügen, als ich hörte, wie die Person am anderen Ende erschrocken nach Luft schnappte und so etwas flüsterte wie: „Santa Madre di dio…ich wusste sie würde auffliegen…ragazza stupida“, bei dem Satz, den sie in englisch murmelte, wurde ich hellhörig.



„Wer würde auffliegen?“, fragte ich nach.

„Was geht Sie das an? Es hat Sie neunzehn Jahre nicht interessiert. Also, was wollen Sie von Bella?“ Jetzt war es an mir, nach Luft zu schnappen. Diese Person bei Bella kannte mich und anscheinend auch die Geschichte dazu. Was sollte ich denn jetzt sagen? Ich entschloss mich für die Wahrheit.

„Ich wollte nachfragen, wie es ihr geht. Sie schien meinen ersten Anruf nicht ga…“

„SIE WAREN DAS? CRETINO STUPIDO, BASTARDO“, schrie sie mich an. Es war klar, dass die letzten Worte Beleidigungen waren, die sie mir durchs Telefon entgegen spuckte.

„Was ist mit ihr? Bitte, ich muss das wissen.“, flehte ich und war bereits wieder den Tränen nahe. Ungeduldig wartete ich auf eine Antwort, vernahm aber nur ein wütendes Schnauben und weitere gemurmelte Flüche in Italienisch.

„Bitte, sagen Sie mir, ob es ihr gut geht.“, bat ich erneut. Meine Stimme war brüchig und kaum zu verstehen. Dies hatte auch meine Gesprächspartnerin bemerkt, denn sie seufzte ergeben.

„Na gut. Sie ist ohnmächtig geworden und als sie wieder zu sich gekommen ist, brach sie in Tränen aus und hat sich gar nicht mehr beruhigt und immer nur gefragt: „Warum?“. Dann habe ich den Arzt gerufen und der hat ihr eine Beruhigungsspritze verpasst und seitdem schläft sie.“, berichtete sie mir.

Das was sie mir erzählte, traf mich wie ein Schlag in den Magen. Der Schmerz begann sich augenblicklich durch meinen Körper zu fressen und mir war, als hörte ich mein Herz erneut in tausende kleine Stücke zerspringen. Schon wieder hatte ich die Frau, die ich so abgöttisch liebte, verletzt. Diesmal, weil ich nicht nachdachte, ehe ich gehandelt hatte. Die Tränen, die sich in meinen Augen gesammelt hatten, entwichen und rannen nun wie die Niagarafälle meine Wangen hinunter. Viele würden dies wohl als unmännlich bezeichnen, aber das war mir egal, ich war alleine, niemand konnte mich sehen, nur hören und ich vermied es, auch nur einen Laut von mir zu geben.



„Sind Sie noch dran?“, fragte mich die weibliche Person nach einiger Zeit. Hart schluckte ich den Kloß, der sich in meinem Hals gebildet hatte, hinunter und antwortete mit einem schlichten, flüsterndem „Ja.“.

„Geht es Ihnen denn gut?“, machte sie sich jetzt etwa um mich Sorgen? Obwohl mir absolut nicht danach war, konnte ich es nicht verhindern, dass mein rechter Mundwinkel sich ein wenig nach oben zog. Es rührte mich, dass sich jemand um mich sorgte, der mich nur aus offensichtlich negativen Erzählungen her kannte.

„Ja, es war heute nur etwas viel. Darf ich denn fragen, wer Sie sind und wie Sie zu Bella stehen?“ So beschissen ich mich auch fühlte, aber ich brauchte ein paar Antworten und ich hatte irgendwie die Eingebung, dass sie mir diese geben könnte.

„Ich bin Leo. Leonida Liliana Montebello, die beste Freundin von Tony und Bella.“, stellte sie sich mir vor. Bei dem Männernamen stockte mir erneut der Atem, aber es war keine Zeit, um darüber nachzudenken.

„Tony? Ist…ist das Bellas…?“

„Lebensgefährte?“, unterbrach sie mich.

Ich nickte, sagte „Ja“, als mir einfiel, dass sie mich ja nicht sehen konnte. Plötzlich fing sie an zu lachen, laut zu lachen.

„Was ist denn so lustig?“, irgendwie fühlte ich mich überfordert und idiotisch.

„To…Tony…ist…ist kein Kerl“, brachte sie zwischen ihren Lachern heraus und da machte es Klick. Sie meinte Antonella. Tony war also ihr Spitzname. Ein echtes Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich an sie dachte, wie sie sich mir vorgestellt hatte und all die Parallelen zu ihrer Mutter und mir.

Mit einem Mal verstummte das Lachen und Stille kehrte ein.

„Merda! Sie wissen es, deshalb haben Sie auch Bella heute angerufen. Questa ragazza stupida“, es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Leonida war wirklich intelligent und schien mehr zu wissen, als ich dachte.

„Ja, aber Antonella weiß nicht, dass ich es weiß. Ich möchte, dass sie es mir selbst sagt, verstehen Sie?“, sagte ich. „Bitte, wenn Sie mit ihr Kontakt haben, sagen Sie es ihr nicht. Und scheinbar…“

„Sind Sie noch ganz dicht?“, unterbrach sie mich ein weiteres Mal. „Nachdem was mit Bella passiert ist, werde ich einen Teufel tun und irgendjemanden etwas sagen. Was allerdings nicht bedeutet, dass ich diese ganze Schmierenkomödie für Gut heiße“, fügte sie hinzu. Ja sie hatte wahrlich Temperament und schien sich sehr um meine Bella zu sorgen.



Wir redeten noch eine Weile miteinander, sie erzählte mir einiges aus ihrem Leben mit Bella und meiner Tochter. Im Gegenzug klärte ich sie über die damaligen Umstände auf, ließ dabei jedoch die Drohung meines Vaters weg und andere Kleinigkeiten, die nichts mit den beiden zu tun hatten.



„Lassen Sie Tony ruhig noch ein wenig zappeln, sie hat es verdient.“, sagte sie kichernd.

„Es wird schwer, aber ich versuche es. Gute Nacht, Leonida und danke!“, verabschiedete ich mich.

„Ich hoffe wir kriegen das hin. Buona notte, il padre della mia miglior' amica“, waren ihre letzten Worte bevor sie auflegte.


Mein Wecker zeigte mir, dass es bereits halb vier in der Früh war. Wir hatten vollkommen die Zeit vergessen, aber nach dem Gespräch mit ihr fühlte ich mich ein wenig besser. Kaum, dass ich mich hingelegt hatte, fielen mir auch schon die Augen zu und ich in einen tiefen traumlosen Schlaf.

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