Hallo, das ist der Blog von meiner Fanfiktion "Family Affairs"

Ok eigentlich weiß ich nicht wirklich, was ich hier schreiben soll, aber wir machen das jetzt mal ganz easy.

Disclaimer: Also die Figuren gehören Stephanie Meyer, bis auf die, die ich erfunden oder aus der realen Welt, in meine Story, involviert habe.

Ein genaues Genre kann ich nicht angeben, da wirklich alles darin vereint ist. Wir hätten Liebe, Drama und sogar ein bisschen Humor.

So dann sag ich mal....Have Fun...beim lesen *gg*

Mittwoch, 24. März 2010

2. Suprise, suprise (Epov)

Wenn ich mein Leben mit nur wenigen Worten beschreiben müsste, dann würde ich sagen, ich habe das erreicht, was ich wollte - auch wenn ich Abstriche machen musste. Doch es heißt ja bekanntlich, Zeit heilt alle Wunden. Die meinen hatte ich mir selbst zugefügt und diese sind nie ganz verheilt. Den Schmerz, den ich dadurch erlitten hatte, vergrub ich tief in meinem Innersten und war gewillt ihn niemals mehr an die Oberfläche dringen zu lassen. Es hatte funktioniert. Bis zum heutigen Tage blieb er verborgen ... doch nun schien alles wieder zurückzukehren.

Noch immer starrte ich auf die Tür meines Büros, hinter der Maria und Alice verschwunden waren und noch immer hielt ich mir meine Wange. Was war das bitte gewesen? Die Gefühle und die wirren Gedanken, die Besitz von meinem Körper und Verstand ergriffen hatten seitdem sie hier war, waren so alt und doch so neu. Vertrautheit, Anziehung, Erinnerungen an eine vergangene Zeit, die schon viel zu lange der Vergangenheit angehörten und nun wie eine Lawine auf mich einstürzten.



~*~



Als ich das Gespräch zwischen Alice, meiner Assistentin und Maria, die ich bis Dato nicht kannte, mit angehört hatte, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es war typisches Frauengeplapper, wobei die Tatsache, dass meine „rechte Hand“ als die ich Alice gerne bezeichnete, sich in unseren Pförtner Mr. Whitlock verliebt haben sollte, doch sehr interessant gewesen war. Alice arbeitete jetzt schon seit drei Jahren für mich, sie war nicht nur meine Assistentin, sondern sie wurde in den Jahren auch zu einer Art Freundin, sogar zu einer sehr guten Freundin und in der ganzen Zeit hatte sie sich für ihre Arbeit und mich aufgeopfert. Sie hätte es verdient, wenn ihre Liebe erwidert werden würde und dieser Whitlock schien ein ganz netter Kerl zu sein, sonst würde er wohl kaum für mich arbeiten, auch wenn es nur als Pförtner war. Ich würde Al bei passender Gelegenheit darauf ansprechen müssen.

Durch ein Räuspern und einem amüsierten Grinsen auf den Lippen meinerseits unterbrach ich die Unterhaltung der beiden, die mich einen Moment erschrocken anstarrten. Dann sprang Alice auf und überreichte mit ein paar Unterlagen, die ich, nachdem ich einen kurzen Blick darauf geworfen hatte, als Bewerbung erkannte. Alice stellte mir die Brünette als Ms. Masen vor, die sich für die freie Stelle der Marketingchefin beworben hatte.

Ich öffnete die schwere Tür zu meinem Büro und trat hinein in der Annahme, dass mir die Frau folgen würde. Ein kurzer Blick über die Schulter zeigte mir jedoch, dass sie das nicht tat, also forderte ich sie auf, mir nachzukommen. Ich setzte mich gemütlich in meinen bequemen schwarzen Ledersessel und legte die Bewerbungsunterlagen vor mir auf meinen dunklen Kirschholzfarbenen Schreibtisch ab. Mein Blick wanderte zu der Brünetten, die es ebenfalls endlich geschafft hatte in den Raum zu treten und wie angewurzelt stehen blieb und sich sichtlich beeindruckt umsah.

Von der Gesamtoptik her, zumindest den Teil, den ich bis jetzt sehen konnte, würde sie auf jeden Fall ins Bild der Mitarbeiter meiner Firma passen. Nicht das ich Oberflächlich wäre, doch ich wollte nicht nur gute Leistung, sondern auch gutes Aussehen. Schließlich stand meine Baufirma für moderne und junge Baukunst und dies sollten auch meine Mitarbeiter und ganz besonders die aus der Abteilung für Marketing aufweisen können.

Nachdem ich sie aufforderte sich zu setzen und sie dem nach kam, musterte ich sie nochmal eindringlicher aus der Nähe. Von ihren langen Beinen aufwärts über ihren schönen, schlanken, feminin-gerundeten Körper zu ihrem hübschen Gesicht, wo ich einige Sekunden verweilte und mich das erste Mal der Schock mit der Wucht eines Presslufthammers traf. Jetzt wo ich sie genauer betrachtete, fielen mir erst diese Ähnlichkeiten auf. Das Herzförmige Gesicht, die blasse Haut, die wohlgeformten Augenbrauen, die hohen Wangenknochen, die gerade Nase, die sich nach vorne hin zur leichten Stupsnase formte und die vollen, rosigen Lippen. Ms. Masen sah aus wie sie…wie meine erste große Liebe.

Wie Bella….

Selbst die Haarfarbe passte genau. Der einzige Unterschied bestand darin, dass Ms. Masen grüne Augen hatte und ein ähnlich schiefes Lächeln wie ich. STOPP….grüne Augen? Schiefes Lächeln, das meinem glich??? NEIN…nein, nein, nein…das konnte doch nicht?

Schnell schielte ich auf die Papiere, die offen vor mir lagen und suchte nach dem Geburtsdatum. Dort stand der 13. September 1984. Das hieß, sie war 25, also zu alt, um meine Tochter sein zu können. Der 13. September…das war auch Bellas Geburtstag, Sie und ich waren nun seit neunzehn Jahren getrennt und selbst wenn die Frau vor mit Jünger wäre, Bella hätte mich ausfindig gemacht und es mir gesagt, wenn sie ein Kind von mir bekommen hätte, also konnte das nicht sein. Es musste purer Zufall sein, vielleicht sollte sie meine persönliche Hölle werden? Mich daran erinnern, welch furchtbaren Fehler ich begangen hatte. Cullen, abwarten und seh nicht alles gleich schwarz…

Abschätzend blickte ich sie an…und dann tat ich etwas, was völliger Irrsinn war. Ich fragte sie doch tatsächlich, ob wir uns kennen würden. Warum ich ihr ausgerechnet diese Frage stellte, wusste ich nicht. Ich denke, ich wollte lediglich eine Bestätigung dafür haben, dass ich mir da etwas eingebildet hatte, was nicht sein konnte.
Als sie anfing mir zu antworten, stockte mir der Atem, denn der Anfang klang extrem danach, als wenn sich meine Befürchtung bestätigen würde, doch dann nahm die Sache einen anderen Verlauf an, der mich, um ehrlich zu sein, wieder beruhigte. Zufrieden mit der Antwort, dass wir uns nie zuvor getroffen hatten und sie mich ebenfalls nur aus Presse und Internet zu kennen schien, überlegte ich mir in Sekundenschnelle einen Start für das weitere Gespräch.

Dann begann ich mit meinen Fragen, was das Vorstellungsgespräch voran bringen sollte und was mich vor allem davon überzeugen sollte, dass sie auch für die Stelle taugte. Das, was ich von ihr wissen wollte, bezog sich auf das A und O des Marketings und war quasi der Grundbaustein dessen. Es handelte sich dabei um das AIDA-Prinzip und normal müsste dies jeder kennen, der BWL studiert hatte. Denn es war vom Grund her nichts anderes, wie für Mathematiker der Satz des Pythagoras. Jeder könnte diesen wie aus der Pistole geschossen aufsagen, doch Maria Masen zögerte und das ließ mich erneut stutzig werden.

Während ich ihre Bewerbungsunterlagen durchging und mir ihre Zeugnisse betrachtete, fragte ich sie, ob sie denn überhaupt dieses Prinzip kennen würde und was dann kam, verpasste mir den zweiten Schock, innerhalb von zehn Minuten. Es lag nicht an der Antwort selbst, sondern eher an dem Ton, in dem sie mir antwortete, der mich erneut aufblicken ließ, um sie zu mustern. Sie hörte sich in dem Moment genauso an, wie Bella, wenn sie sich angegriffen fühlte und versuchte sich zu verteidigen. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte, aber ich bemerkte, wie sich mein Mund öffnete und wieder schloss. Noch ehe ein Laut meiner Kehle entweichen konnte, fing sie an zu sprechen und erklärte das von mir verlangte AIDA-Prinzip.

Mittlerweile hatte ich mich wieder gefasst, meine Augen waren abermals auf ihre Bewerbung geheftet, stellte ihr eine weitere Frage bezüglich dieses Prinzips und zu gleich bat ich um Erlaubnis, sie beim Vornamen nennen zu dürfen, denn das tat ich bei den meisten meiner Mitarbeiter.
Und zum dritten Mal bekam ich einen Schlag verpasst, als sie mir, statt zu antworten die selbe Frage als Gegenfrage entgegen schmetterte. In gewisser Weise war ich völlig perplex und schockiert über diese Dreistigkeit. Noch nie hatte sich ein Mitarbeiter die Frechheit herausgenommen, beziehungsweise sich so respektlos verhalten, mich mit meinem Vornamen anzureden, schließlich war ich der Chef hier.

Doch als sie zusätzlich eine ihrer fein geschwungenen Brauen in die Höhe hob, riss es mir ganz den Boden unter den Füßen weg und vor meinem inneren Auge spielte sich eine Szene ab, an die ich lange nicht mehr zurück dachte.


**Flashback**

Es war mein erster Schultag an der Forks High, ich war 16 und schritt gerade durch die Tür der Cafeteria, als ich sie an einen der Tische entdeckte. Sie war mir bereits schon Stunden zuvor aufgefallen, als ich meinen Wagen auf dem Schulparkplatz abgestellt hatte und sah, wie sie an einer Mauer lehnte, mit ihren Freunden zusammen erzählte und lachte. Sie war so wunderschön, strahlte etwas Magisches aus, was mein Interesse erweckte und schon da hatte ich den Entschluss gefasst, dass ich sie kennenlernen musste. Durch Taylor, einem Typen aus meinem Jahrgang, erfuhr ich, dass sie Isabella hieß, aber lieber Bella genannt wurde und noch einiges mehr. Dies war nun also meine Chance. Selbstbewusst, mit der Hand durch mein Haar streichend, lief ich auf ihren Tisch zu, stoppte direkt vor ihr, setzte mein schiefes Lächeln auf und streckte ihr meine Hand entgegen.

„Hi, ich bin Edward Cullen und du bist Bella. Ich darf dich doch Bella nennen?“ siegessicher, grinste ich sie noch immer an, ohne einen Hauch von Zweifel, da ich mir meiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht, vollstens bewusst war. Doch was sie anging, hatte ich mich wohl ein wenig verkalkuliert.
Spöttisch zog sie eine ihrer vollkommenen, wohlgeformten Augenbrauen in die Höhe und musterte mich von unten nach oben.
„Oh hi Eddy, ich darf dich doch Eddy nennen, nicht wahr?“, in ihrer Stimme schwang eine Spur von Empörung mit. Dann erhob sie sich von ihrem Platz und schlenderte murmelnd davon und ließ mich wie einen begossenen Pudel, der ihr fassungslos hinterher schaute, stehen.

**Flashback ende**


Kopfschüttelnd riss ich mich von der Vergangenheit los, räusperte mich geräuschvoll und versuchte mich wieder der Frau vor mir zu widmen, die mich fragte, ob alles in Ordnung mit mir sei. Ihre Anspielung mit den Namen hatte ich verstanden, sie wollte nicht, dass ich sie beim Vornamen nannte…also gut. Schnell gab ich ihr zu verstehen, dass ich den Wink mit dem Zaunspfahl registriert hatte, als sie plötzlich nachfragte, ob sie mich nun doch nicht mit Edward ansprechen durfte, was mich völlig verwirrte.

Wollte sie mich wahnsinnig machen? Wenn ja, dann Gratulation…sie war gerade dabei, dies erfolgreich durchzusetzen…

Genervt stöhnte ich auf und fuhr mir durch das wirre Chaos auf meinem Kopf. Das tat ich schon immer, wenn ich nervös, genervt, gestresst oder gar wütend war. Und im Moment vereinigten sich all diese Adjektive und brachten mich innerlich zum Kochen. Aber ich würde den Teufel tun und dieser Maria auch nur im Ansatz zeigen oder gar die Bestätigung erteilen, dass sie der Grund für meinen baldigen Wahnsinn war.

Unmerklich holte ich tief Luft und forderte Maria erneut auf, mit ihrer Erklärung bezüglich des AIDA-Prinzips fortzufahren. Dabei sprach ich sie mit dem Vornamen an und betonte diesen extra, was sie wieder schief Lächeln ließ. In meinem Inneren lief ich stetig gegen eine dicke Betonwand und fragte mich: „Wieso ich? Wieso jetzt? Warum sie?“
Diese gedankliche Verzweiflungstat, den Kopf gegen die Wand zu schlagen, wurde durch das klingeln eines Handys unterbrochen.

In dem Augenblick, als ich die Melodie erkannte, spürte ich, wie sich mein Herz zusammen zog und all mein Blut in meinem Adern gefror. Der Rest meines Körpers war taub und leblos und gedanklich war das einzige, was ich noch tun wollte…sterben.
„Sweet Child“ war unser verdammtes Lied. Wir liebten Axel Rose und wir mochten deren Musik und dieses eine Lied hatten wir zu dem Zeitpunkt das erste mal gehört, als wir in meinem Zimmer zusammen im Bett lagen und darüber sinnierten, ob wir wohl irgendwann Kinder haben würden, welche Namen diese bekämen und vieles mehr.


Konnte das wirklich alles nur Zufall sein, dass ausgerechnet wenige Tage vor meinem jährlichen Ereignis, welches mir immer vor Augen führen sollte, was für ein dummer und materieller Idiot ich doch war, eine Frau in mein Leben trat, die mich genau an die Person erinnerte, die ich so verzweifelt liebte und trotzdem so sehr verletzte - und zwar nicht nur vom Aussehen, sondern auch vom Verhalten her, wegen der ich das tat?

Ich gab Bella für nichts die Schuld, denn ich war ja der verfluchte Trottel, der seine Liebe aufs Spiel setzte und glaubte, irgendwann darüber hinwegkommen zu können. Doch in all diesen Jahren gab es nicht eine Frau, die auch nur annähernd mein Herz so berühren konnte wie sie.
In meinem ewigen Kampf gegen die Sehnsucht und das Verlangen nach ihr ... als ich bemerkte, dass es sinnlos war, dass ich sie nie gänzlich aus meinen Gedanken, meine Herzen verbannen können würde, beschloss ich meinen Frust anderweitig zu entsorgen. Ich nahm keine Rücksicht auf Verluste. Verluste und gebrochene Herzen, die ich wohl reihenweise hinter mir ließ. Jedesmal, wenn ich mit einer anderen Frau zusammen war, tat es nicht mehr so sehr weh und es erlaubte mir in diesen kleinen Momenten zu vergessen.

Ich wusste, dass ich vor neunzehn Jahren den größten Fehler meines Lebens begangen hatte, aber mir wurde keine Wahl gelassen. Sollte ich nun wirklich noch mehr dafür bestraft werden? Weiterhin leiden? Gerade jetzt, wo ich an einem Punkt angelangt war, an dem ich endlich wieder begann zu leben?

Sofort erfüllte sich mein Körper mit Zorn und Wut. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, dass Maria gerade dabei war ihr Handy wieder zu zuklappen, vom Telefonat selbst bekam ich nichts mit, dafür war ich zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftig. Diese nun vollkommen anderen Gefühle, wollten aus mit herausbrechen und ich konnte sie nur mit Mühe zurück drängen.
Genervt blaffte ich die Kleine mir gegenüber an, ob sie endlich fertig sei und unwillkürlich hämmerten meine Finger auf dem Schreibtisch ein.

Sie entschuldigte sich bei mir und plötzlich erkannte ich, dass ich nicht auf sie wütend war, sondern ganz alleine auf mich. Alles was ich die Jahre über sorgsam vergraben hatte und nur an einem einzigen Tag heraus holte, überrollte mich voreilig. Es kam zu schnell, zu überraschend und ich war einfach nicht darauf vorbereitet.
Damit ich nicht doch noch die Kontrolle über mich verlieren würde, schnappte ich mir ihre Unterlagen und blätterte sie durch, bis ich ein ganzes Stück weiter hinten an ihrem Lebenslauf hängen blieb.

Und da fiel es mir auf. Diese Papiere konnten nicht echt sein, denn laut den Jahreszahlen, müsste sie mit fünf Jahren an der Forks High-School gewesen sein. Innerlich verkniff ich mir ein Lachen über dieses naive Verhalten.
Es war also doch möglich. Maria Masen sollte tatsächlich ... Konnte das sein?!
Abermals beäugte ich sie kritisch aus dem Augenwinkel heraus. Die langen, Mahagonifarbenen Haare, das herzförmige Gesicht. Die gerade, kleine Stupsnase. Ihr schiefes Lächeln, die strahlend grünen Augen. Die Art, wie sie die Augenbrauen nach oben zog, sich durch ihr Haar fuhr, auf ihre Lippe biss ... wie sie mit einem Finger über ihr Schlüsselbein fuhr, wenn sie nachdachte oder abwesend war.
Und dann diese Zeugnisse ... die aller Wahrscheinlichkeit nach – wenn ich sie genauer betrachtete – wohl Bellas Zeugnisse sein mussten.
Ich konnte es immer noch nicht ganz begreifen, aber ich empfand es als eine wunderschöne Vorstellung, dass ich eine Tochter mit meiner großen Liebe haben sollte.
Ich ließ die vergangenen fünfundzwanzig Minuten noch einmal Revue passieren und zählte eins und eins zusammen. Maria Mason war ganz offensichtlich Bellas und meine Tochter und hatte sich mit einer schlecht gefälschten Bewerbung ein Bewerbungsgespräch ergattert.

Meine Reaktion auf diese Erkenntnis war sicherlich mehr als ungewöhnlich, jedoch war ich in gewisser Weise entsetzt und trotzdem glücklich darüber, dass ich ein bereits erwachsenes Kind hatte, von dem ich nichts wusste und welches sich bei mir einschlich, um mich offenbar kennen zu lernen.
Ich meine ... sie wollte mich kennen lernen ... und das, obwohl sie genauso gut allen Grund hätte, auf mich sauer zu sein. Schließlich hatte ich ihre Mum verlassen ... ihr vermutlich das Herz gebrochen.
Doch dann überrollte mich die Enttäuschung. Wieso hatte sich Bella nie bei mir gemeldet? Okay, ich war gegangen ohne ein Wort davon zu sagen, wohin ich gehen würde, genauso wenig sagte ich ihr den wahren Grund meines Verschwindens. Und doch hätte sie mich ausfindig machen können und tat es nicht. Wollte sie unser Kind nicht mit mir teilen? Hatte sie womöglich Angst, dass ich nur wegen eines Babys bei ihr bleiben würde und nicht aus dem Grund der aufrichtigen Liebe? Ja, genau dies muss sie gedacht haben, es würde ihr so ähnlich sehen.

Doch wieso war Maria jetzt hier? Und war das überhaupt ihr richtiger Name? Und wieso stellte sie sich mir nicht direkt als meine Tochter vor, sondern versuchte sich an einer derartigen Schmierenkomödie?

Cullen, du könntest dich genauso gut fragen, warum du ihr nicht einfach sagst, dass Daddy Bescheid weiß!

Hmpf ... Vorerst galt es erst einmal herauszufinden, warum genau sie eigentlich hier war. Und warum sie den indirekten Weg wählte, anstatt einfach hereinzuplatzen und zu sagen „Hey, Dad, hier bin ich.“

Weil sie dann vermutlich nicht Bellas Tochter wäre...

Ich würde also vorerst in dieses Theater mit einsteigen und sehen, wohin es und führte und wie es sich entwickelte und dann entscheiden.

Mein Blick wanderte zu dem hinzugefügten Foto und mit den Augen verglich ich noch einmal die ganzen Merkmale und stellte mir vor, wie schön es doch gewesen wäre, mit Bella die Zeit der Schwangerschaft durchzustehen: Der erste Ultraschall, die ersten Tritte, die Schwangerschaftslaunen, die bei meiner Liebsten sicher Amüsant gewesen wären und dann die Geburt. Ich hätte sie in meinen Armen gehalten, während sie tapfer all die Schmerzen ertragen hätte, um unser beider Schöpfung aus ihrem wunderschönen, göttlichen Körper zu pressen. Ich hätte nicht nur meine väterlichen Pflichten bestritten, ich wäre jede Nacht aufgestanden, um unser Fleisch und Blut zu füttern und zu wickeln. Später, wenn sie älter gewesen wäre, hätte ich ihr alles beigebracht, was sie wissen müsste.
Ich wäre immer für sie da gewesen...

Doch all das blieb mir verwehrt und das nicht zum ersten Mal.
Ein leicht stechender Schmerz durchfuhr meine Brust.

Einige Jahre nachdem ich Forks verlassen, mein Studium hinter mich gebracht und mich nach Europa abgesetzt hatte, ließ ich mich wieder auf eine Frau ein. Damit meine ich, dass ich nach sieben Jahren, in denen ich nur, direkt ausgedrückt, herum gehurt hatte, eine Frau in mein Leben ließ, die ich länger als für eine Nacht duldete. Ich liebte sie nicht, aber ich hatte es so satt, stetig Neue zu suchen. Ich wollte sesshaft werden, auch wenn das hieß, meine Schauspielkünste ausreifen zu müssen. Jedoch hielt das Ganze nicht länger als ein halbes Jahr. Ich ertrug es einfach nicht, jemanden bei mir und um mich zu haben, für den ich nichts empfand. Natürlich war Catherine Donahue hübsch, intelligent und nett, aber sie war eben nicht meine Bella. Und je mehr sich Cat bemühte, umso abstoßender fand ich das Ganze.


Diesmal waren es die Klänge meines Handys, die mich aus den Gedanken rissen. Auch ich hatte Axel Rose und einen Song, der mich an meinen Fehler erinnerte, als Klingelton.
November Rain….ja es war November, so wie jetzt auch und in acht Tagen wäre es zum wiederholten Male soweit. Der 10.11 seit neunzehn Jahren der Tag, an dem ich mich hasste, verfluchte und all den verborgenen Schmerz ausgrub.
Noch immer sang Axel den Text. Schnell nahm ich das Gespräch an.

„Hallo, mein Schatz“, begrüßte ich die Person am anderen Ende der Leitung.

„Daddy, Barbie und Ken sollen heiraten und ich brauche jemanden, der die Hochzeit ausrichtet. Darf ich mir den besten Wedding-Planer aussuchen, den England zu bieten hat? Büüüüüdddeee, Daddy.“, fragte mich meine elfjährige Tochter, deren Mutter mein kläglich, gescheiterter Beziehungsversuch Catherine war.

„Tanya, es ist mir egal, welchen Hochzeitsplaner du engagierst, für dich ist mir nichts zu teuer.“, antwortete ich ihr. Mir war klar, dass sie das nicht ernst meinte und es zu ihrem Spiel gehörte.

Beim ersten Mal bekam ich fast einen Herzinfarkt und fragte mich, welche Flausen Cat ihr in den Kopf pflanzte, doch mittlerweile verstand ich die Spielregeln und spielte einfach mit.

Gedankenverloren zog ich eine Braue in die Höhe und Grinste, während ich über meine Kleine und ihre Spiele nachdachte.

Tanya hatte bis auf einen leichten Rot-Stich in den Haaren absolut keine Ähnlichkeiten mit mir. Sie glich zu 99% ihrer Mutter und lebte auch die meiste Zeit bei dieser. Wir hatten uns bereits vor der Geburt darüber geeinigt, dass ich definitiv meiner Vaterpflicht nachkommen würde, es allerdings nichts daran ändern würde, was die Trennung betraf. Ich stellte alle finanziellen Mittel und nahm Tanya auch alle zwei Wochen zu mir, kümmerte mich um sie, wie es sich für einen Vater gehörte. Anfangs hatte ich recht wenig Bindung zu ihr, da ich immer der Meinung war, dass all meine Gefühle nur Bella galten und für niemand anderen mehr ausreichen würden. Doch je öfter ich meine kleine Tochter um mich herum hatte, umso mehr liebte und verwöhnte ich sie.
Tanya wurde zu meinem Goldschatz, der mir Halt gab, wenn die Sehnsucht und die Verzweiflung versuchten mich wieder in die Tiefe zu reißen.

„Danke, Daddy. Wann kommst du heute nach Hause?“, holte mich die helle Stimme meines Goldengels aus den Gedanken.

„Wie immer, meine Süße, ich werde mich natürlich beeilen.“, erwiderte ich und mein Blick haftete derweil an Maria, die wütend zu sein schien. Und wenn man den Spruch: „Wenn Blicke töten könnten“ für bare Münze nehmen würde, dann wäre ich sicherlich völlig leblos zur Seite gekippt, denn ihre Augen durchbohrten mich. Zudem war ich ganz froh darüber, kein Gedankenleser zu sein. Wer weiß, welche Mordszenarien sie gerade gedanklich durchging?

Ich beendete das Gespräch mit Tanya und beäugte meine andere Tochter, teils belustigt und teils ungläubig, da mir nicht einfallen wollte, woher ihr Stimmungsumschwung so plötzlich kam.
Nach meiner Frage, ob mit ihr alles in Ordnung sei, räusperte sie sich und schien ihre Wut zügeln zu wollen, jedoch kam ihre Antwort und vor allem mein Name schärfer aus ihrem Mund als vermutlich beabsichtigt.
Der Ton, der den Klang ihrer Stimme in diesem Augenblick beherrschte, erinnerte mich erneut an meine Bella…ich setzte eine ausdruckslose Maske auf und musterte Maria von neuem….nur wenige Sekunden lang. Sie dachte nach. Die verschiedensten Emotionen flackerten in ihren Augen auf, die das Ebenbild meiner waren ... und trotzdem konnte ich sie nicht lesen.

Anschließend erschien wieder mein schiefes Lächeln auf ihrem Gesicht und wieder traf es mich mit einem Fausthieb, wie ähnlich sie Bella und mir doch war.

Ungeachtet dessen, musste ich mich und meine Gefühle wieder unter Kontrolle bringen. Wie würde sie reagieren, wenn ich ihr jetzt schon zeigen würde, dass ich sie durchschaut hatte? Und ich wollte alles über sie wissen, sie kennenlernen, ohne Vorbehalte also würde ich das durchziehen müssen. Bis auf den Lebenslauf waren die Zeugnisse in Ordnung. Na ja ... Bellas Zeugnisse waren in Ordnung – denn ich war mir nahezu hundertprozentig sicher, dass es die ihren waren – aber in Anbetracht der Tatsache, dass Maria unsere Tochter war, konnte sie eigentlich nur ein intelligentes kleines Mädchen sein ...
Ich meine, allein ihr Einfallsreichtum was diese ganze gefälschte Bewerbungsgeschichte anging war doch wohl Beweis genug.

Mit einem wiederholten Räuspern zog sie meine Aufmerksamkeit wieder auf sich und ich erklärte, dass ihre Papiere in Ordnung seien und sie die Stelle haben könnte, insofern sie ihre Kompetenzen wahren würde. Mit dieser Aussage spielte ich auf ihre Dreistigkeit an, bevor ich realisierte, dass sie meine Tochter war.
Flüsternd fragte sie mich nochmal, ob ich diesen Job wirklich an sie vergab und ihrem Gesicht nach zu urteilen schien sie meine Antwort anzuzweifeln, also nickte ich und unterstrich dies mit einem breiten Grinsen.

Plötzlich spürte ich zwei dünne Ärmchen um meinen Hals, hörte ihr lautes Lachen und mittendrin das Wort Danke, dass sie immer und immer wieder wiederholte.
Eine ungeahnte Welle des Glücks überrollte mich ... auch wenn sie noch nicht wusste, dass ich es wusste. Aber ich hielt soeben zum ersten Mal meine große Tochter in den Armen ... und das Gefühl war einfach wundervoll.
Dann - mit einem Mal - schlug mir ihr Duft in die Nase und sofort versteifte sich mein ganzer Körper. Sie sah nicht nur aus wie Bella, sie roch auch noch wie sie. Nie würde ich den Namen ihres Parfums vergessen. Sie benutzte immer „Eternity“ von Calvin Klein, welches eine lieblich, blumige Note besaß, die aus Rosen, Freesien, Lilie, Mandarinenblüte und unter anderem aus Zitronenblüte bestand. War es möglich, dass es das noch immer gab und Maria dies nun auch verwendete?

Sie bemerkte meine Starre, löste sich von mir, trat einen Schritt zurück und murmelte eine leise Entschuldigung. Ich wusste nicht wieso, doch ehe sich Maria wieder ganz von mir entfernen konnte, griff ich nach ihrem Handgelenk und hielt sie fest. Ihrer Kehle entwich ein Keuchen und ihre Augen weiteten sich unmittelbar daraufhin.

Ich erhob mich aus meinem Sessel und stand nun ganz nah vor ihr und blickte auf sie hinab, tief in ihre Augen. Am liebsten hätte ich sie an meine Brust gezogen und sie fest an mich gedrückt. Wollte all die Jahre, die ich verpasst hatte, in dem einen Augenblick nachholen und sie all die Liebe spüren lassen, die ich für ihre Mutter empfand und nun auch mit Maria teilen würde.

Noch einmal wollte ich ihren Duft, diesen wunderbaren, süßen, blumigen Geruch tief einatmen und beugte mich ein wenig zu ihr hinunter, ließ sie dabei nicht eine Sekunde aus den Augen, als ich mit einem Mal einen Knall und einen stechenden Schmerz vernahm, der durch meine rechte Gesichtshälfte schoss. Sie hatte mich geohrfeigt und sich von mir losgerissen. Warum?

Eine Hand auf meine Wange haltend, starrte ich sie an und erst dann realisierte ich, dass sie wild mit den Händen in der Luft fuchtelnd durch mein Büro auf und ab rannte, gleichzeitig warf sie mir die unmöglichsten Unterstellungen an den Kopf. Du solltest dich verteidigen, Cullen…sie ist deine Tochter und denkt gerade, dass du sie womöglich küssen wolltest…tu was!

Doch bevor ich etwas sagen oder unternehmen konnte, klopfte es an der Bürotür und Alice kam herein. Sie fragte, ob alles in Ordnung sei, weil ihr das Geschrei nicht entgangen war. Maria stoppte in ihrem Tun und beschwichtige meine Assistentin und Freundin mit der Aussage, dass alles Bestens sei und sie gerade im Begriff war zu gehen. Kaum das sie die Worte ausgesprochen hatte, war sie auch schon aus der Tür verschwunden und Alice mit ihr, nachdem ich von ihr noch einen Blick kassierte, der soviel bedeutete wie: „Was zur Hölle hast du angestellt?“

Und ich stand immer noch da wie angewurzelt. Mein Verstand schrie mich an, dass ich das klarstellen sollte, doch mein Körper tat einfach gar nichts. Ich war zu einer Statue mutiert und konnte trotz meines starken Willens, nicht dagegen ankämpfen. Woran das lag, wusste ich selbst nicht. Aber wie Maria so hin und her lief, erweckte dies ebenfalls wieder Erinnerungen und Bilder, die sich nicht verdrängen ließen, weil es genau diese waren, die mich seit neunzehn verfluchten Jahren immer wieder einholten.


Es war der 10. November 1990 ein verdammt regnerischer Tag in Forks und der Tag an dem sich mein ganzes Leben veränderte. Der Tag, an dem ich mein eigenes Herz in den Abgrund gerissen hatte. Damals war mir dessen noch nicht klar und ich tat im Grunde nur das, was man von mir verlangte.

**Flashback**

Wie jeden Samstag stand ich nachmittags um kurz nach Drei vor dem Haus der Swans und holte Bella wie üblich ab. Der Regen hatte sich gerade eingestellt, was mir nur recht sein konnte. Heute würden wir nicht nach Port Angeles in unser Stammcafé fahren und uns mit unseren Freunden treffen. Heute würde ich mich von ihr verabschieden und ihr für die letzten zwei Jahre, in denen sie mir ihre Liebe geschenkt hatte, bedanken. Die Wahrheit würde ich ihr nicht sagen können, denn sie würde es nicht verstehen, ich selbst verstand es ja noch nicht einmal wirklich und trotzdem stand ich hier und wartete geduldig, dass sie aus dem Haus kam.

Als sich die Tür öffnete, trat meine Bella heraus und winkte mir zu, bevor sie die Treppen der Veranda hinab rannte, direkt auf mich zu. Sie war das schönste Geschöpf, dass ich je gesehen hatte; mit ihrem wunderschönen, langen, braunen Haar und den wilden, großen Locken, die ihr vollkommen atemberaubendes, schönes Gesicht umspielten. Ihre warmen, tiefbraunen Augen, darüber die völlig akkurat, geschwungenen Brauen und die gerade, kleine Stupsnase. Und nicht zu vergessen, ihre vollen rosafarbenen Lippen, die mich immer wieder aufforderten, sie zu küssen ... zu schmecken. Mein Herz begann zu rasen, mein Puls schoss in die Höhe und die Flugzeuge drehten Loopings in meinem Bauch. Dies war die normale Reaktion auf meine Geliebte Bella. Für den Moment verdrängte ich das Motiv meines Erscheinens und fing sie auf, als sie in meine Arme sprang. Ganz innig drückte ich sie an mich und presste meine Lippen mit all meiner Liebe und Leidenschaft, die ich aufbringen konnte, auf die ihren. Ohne auf ihre Erlaubnis zu warten, schob ich meine Zunge in ihren Mund, suchte die ihre, umspielte sie mit meiner und saugte an ihr. Ich musste sie einfach spüren und schmecken…wenigstens ein letztes Mal. Nie wollte ich mich von ihr lösen, doch der Mangel an Luft machte dies notwendig. Dann atmete ich ihren blumigen Duft tief ein und hielt meine Augen fest verschlossen, als würde ich schlafen und in einem wunderschönen Traum stecken, aus dem ich nie mehr erwachen müsste.

Bella war es, die sich von mir löste und mich merkwürdig musterte.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie mich mit hochgezogener Braue. Meine Antwort war ein schlichtes Kopfnicken, denn ich wusste, würde ich den Mund öffnen und den Versuch starten zu reden, ich würde kläglich scheitern und in Tränen ausbrechen. Mein Traum würde heute enden, doch ehe es dazu kam, würde ich versuchen, meiner Bella die Zeit bis dahin noch zu versüßen.

Sie glaubte mir nicht, das konnte ich in ihren Augen lesen, doch sie sprach mich nicht weiter darauf an. Ich drehte mich von ihr weg und öffnete die Beifahrertür meines Wagens, an dem wir bis eben noch gelehnt hatten. Bevor sie einstieg hielt ich sie nochmal an ihrem Handgelenk zurück, gab ihr einen flüchtigen, zärtlichen Kuss auf den Mund und zwang mir ein leichtes Lächeln auf. Dann stieg Bella ein. Während ich das Auto umrundete, sprach ich mir gedanklich immer wieder Mut zu.

Die Fahrt verlief anfangs schweigend, doch als sie merkte, dass ich nicht die Straße nach Port Angeles einschlug, sondern die nach La Pusch, sah sie mich verwirrt an.

„Fahren wir heute nicht ins Veela?“ Wieder schwieg ich und schüttelte lediglich den Kopf. Aus den Augenwinkeln, erkannte ich, dass Bella die Lippen kräuselte und die Augen zu Schlitzen verengt hatte. Sag was Cullen…mach dein verdammtes Maul auf…mahnte ich mich selbst. Doch ich konnte nicht, zu fest steckte der Kloß in meiner Kehle.

„Okay, Edward Anthony Cullen, ich will jetzt wissen, wo wir hinfahren und DU…“, dabei piekte sie mir mit ihrem schlanken Zeigefinger in den Arm „…wirst jetzt sofort deinen Mund aufmachen und es mir sagen.“ In ihrer Stimme schwang ein Funken Wut mit und noch immer stocherte sie mit dem Finger auf mich ein, unaufhörlich, was mich unwillkürlich zum Lachen brachte, obwohl es mir weiß Gott nicht danach zu Mute war. Aber eine wütende Bella war mehr als amüsant. Ein solch liebliches Geschöpf wie sie es war, konnte nicht wütend sein und wenn doch, dann sah sie noch bezaubernder aus als sonst.

Das Lachen tat mir gut, der Knoten in meinem Hals löste sich und ich war wieder fähig, meine Stimme einzusetzen.

„Schon gut, meine Süße, ich sag es dir.“ Ich zwinkerte ihr zu und setzte erneut zum Reden an. „Wir fahren an die Klippen…da wo…“
„…alles angefangen hat“, beendete sie meinen Satz und ich nickte bestätigend, löste meine Hand vom Lenkrad und griff nach der ihren. Mit ineinander verwobenen Händen, die auf ihrem Schoß ruhten, fuhren wir immer weiter unserem Ziel entgegen, dabei sah Bella gedankenversunken aus dem Fenster.
Mir selbst zog es sämtliche Innereien zusammen, mit jeder weiteren Minute die verstrich, wurde mein Gefühl bestärkt, dass Bella bereits wusste, was passieren würde und trotzdem sagte sie nicht einen Ton.

Den Wagen parkte ich wie immer am Straßenrand, stieg aus, öffnete den Kofferraum und entnahm diesem eine dicke Decke. Bella war ebenfalls schon ausgestiegen, mit geschlossenen Augen richtete sie ihr Gesicht hinauf gen Himmel und atmete tief die frische Novemberluft ein. Ich hätte sie stundenlang so betrachten können, wie ihre wilden Locken vom Winde verweht wurden. Überhaupt sah sie wieder etwas verrückt und doch absolut perfekt aus. Sie trug eine dicke, hüftlange Winterjacke, einen kurzen, grauen Bundfaltenrock, darunter schwarze Leggins, mit schwarz-weiß gestreiften Overknees und flachen, schwarzen Ballerinas.

Sie wirkte so losgelöst, als würde alles Glück und Schöne auf Erden in ihr vereint sein.
Ohne es zu merken, hatte ich mich auf sie zubewegt und stand nun ganz nah vor ihr, blickte in ihr Gesicht und versuchte mir jedes noch so winzige Detail einzuprägen, damit ich dies niemals vergessen würde. Augenblicklich fühlte ich, wie sich Tränen in meinen Augen sammelten, schnell schloss ich diese, um die salzige Flüssigkeit zurück zu drängen. Just in diesem Moment berührte etwas Zartes, Weiches meinen Mund. Es waren ihre Lippen, welche die meinen eroberten.
Augenblicklich fasste ich Bella mit der rechten Hand an die Taille und zog sie so eng an mich, dass nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen uns gepasst hätte. Wie ein ertrinkender klammerte ich mich an sie, ihre Hände fanden den Weg um meinen Hals und Bella verschränkte sie in meinem Nacken miteinander.

Es waren nur wenige Sekunden, die wir so verbrachten, doch mir kam es vor wie Stunden und ich wollte es für immer, für die Ewigkeit.

Aber dies war nicht möglich und ich war derjenige, der dieser Sache ein Ende bereiten musste. Mein Verstand wurde wieder klarer und wir lösten uns voneinander. Mit verschränkten Händen liefen wir den schmalen Weg durch das kleine Stückchen Wald, der zu den höchsten Klippen von La Push führte. Unser Lieblingsort, der Ort an dem sie zu meiner Bella wurde.

Dort angekommen, breitete ich die Decke auf dem harten Fels unter uns aus, wo wir uns auch gleich nieder ließen.
Ich saß hinter ihr und sie zwischen meinen Beinen, mit dem Rücken an meine Brust gelehnt. Abermals zog ich sie in einer festen Umarmung an mich. Mein Gesicht vergrub ich dabei in ihren Haaren und genoss ihren Duft, den ich wohlmöglich niemals wieder riechen würde, den ich aber unter gar keinen Umständen vergessen wollte.

Minutenlang starrten wir regungslos in die Ferne und ergötzen uns an dem Ausblick, der sich uns bot. Das einzige, was die Stille durchbrach, was das Pfeifen des Windes und das unregelmäßige Schlagen unser beider Herzen. Beide pochten sie wild in unserer Brust, ihres wohl vor Liebe und das meine wegen des aufkeimenden Schmerzes, der immer mehr wurde.

Ich wusste, nun war es soweit, jetzt müsste ich es beenden und den Schlussstrich ziehen…einen glatten Bruch.

Gerade als ich meinen Mund öffnete, drehte sie sich ruckartig zu mir um und versiegelte meine Lippen zum wiederholten Male mit den ihren. Ich versuchte dagegen anzukämpfen und es gelang mir. Meine Hände legten sich auf ihre Schultern und ich konnte sie ein Stück von mir drücken. Was ich allerdings dann zusehen bekam, zerriss mir fast das Herz. Ihre Augen durchbohrten die meinen und ich konnte die stumme Bitte darin erkennen, sie nicht von mir zu stoßen.


Ich löste meine Hände und eine legte ich auf ihre Wange, was für sie das Zeichen war, ihre weichen Lippen abermals auf meine zu pressen.
Und ich küsste sie mit all der Liebe, all der Leidenschaft und all der grenzenlosen Verzweiflung, die ich im Moment empfand.

Wie sollte ich es jemals, ohne sie schaffen? Wie sollte ich ihr jemals sagen, dass dies vielleicht unser letzer Kuss war? Das letzte Mal, das wir uns sahen?

Ihre zarten Hände schoben sich unter den Bund meiner Jacke und meines T-Shirts und legten sich kalt auf meine warme Brust.
Und da wurde mir erneut klar, dass ich es beenden musste. Das ich es beenden musste, bevor ich noch mehr Schaden anrichten konnte.
Ich griff nach ihren Hüften und versuchte sie ein Stück von mir wegzuschieben.
„Bella, ich ... ich muss dir etwas sagen.“, murmelte ich schwach gegen ihre Lippen. Ihre Hände krallten sich in meine Haut und sie drängte sich mir näher entgegen.
„Nicht jetzt.“, hauchte sie, ehe sie meine Lippen mit einem erneuten Kuss versiegelte. „Später.“ Ihre Hände bewegten sich langsam wieder meinen Körper entlang nach unten und platzierten sich an meinem Hosenbund.
„Aber, Bella ...“
„Pscht.“, abermals verschloss sie meine Lippen mit einem Leidenschaftlichen Kuss.
Und ich war verloren.

Ich war hoffnungslos verloren und das wusste ich so sicher, wie nie zuvor.

Ich spürte, wie ihre Hände langsam meine Hose öffneten und sie anschließend eine Hand in meine Boxer gleiten ließ. Ich zischte laut.
„Bella, es ... es ist kalt.“, startete ich einen letzten schwachen Versuch, sie von ihrem aktuellen Kurs abzubringen. Doch ich schaffte es nicht. Wusste nicht einmal mehr, ob ich das überhaupt noch wollte.
„Halt, mich fest Edward.“, hauchte sie und führte eine meiner Hände unter ihre Jacke und ihre Bluse. „Berühr mich. Dann wird uns nicht kalt.“

Umgehend kam ich ihrem Wunsch nach. Ich konnte nicht anders. Alles in mir sehnte sich nach ihr, nach ihrem Körper, ihrer Nähe. Mit all meiner verzweifelten Liebe klammerte ich mich an diesen einen Augenblick und ich tat alles, um ihn jetzt noch nicht zu verlieren. Alles, um sie noch ein paar Sekunden, ein paar Minuten an meiner Seite zu wissen.
Meine vom starken Novemberwind ganz kalten Hände bewegten sich langsam über ihren flachen Bauch. Ich sah sie nicht, doch ich spürte jeden Zentimeter ihrer warmen, weichen, elfenbeinfarbenen Haut.
Unsere Lippen waren immer noch in einem innigen Kuss verschmolzen und ich lechzte nach der unmöglichen Unendlichkeit dieses Momentes.
Ich wollte die Zeit anhalten, wollte, dass das hier nie endete. Ich wollte sie halten, sie spüren, sie lieben, sie riechen und sie schmecken können ... für immer.
Ich wollte vergessen, dass wir bereits am Ende angekommen waren ... ich wollte mir einbilden, dass es nicht vorbei war. Dass wir noch immer unendlich und ein Ganzes waren.

Langsam schob sich meine Hand unter den dünnen Stoff ihres BHs.
Ihre seidige Haut unter meinen Händen, ihre zarte Knospe, die sich mir entgegen reckte ... vorsichtig drückte ich sie zurück auf die Decke, sodass ich über ihr schwebte.
Und so lag sie vor mir ... meine Bella.
Ihre wunderschönen braunen Augen, die mit all ihrer Liebe in die meinen Blickten, ihre von der Kälte geröteten Wangen, die zerzausten Locken ihres weichen Haares, ihre weichen Lippen, ihrer zarte Nase ... die ganze Welt, SIE, mein Leben lag mir zu Füßen.

Ihre kleine Hand bewegte sich immer noch in meiner Hose. Schloss sich um meine Länge und rieb sie in sanften, langsamen Bewegungen.
Alles war wie bei unserem ersten Mal. Leicht, vorsichtig ... erforschend. Und instinktiv wusste ich, dass es jetzt gerade genauso sein sollte. Und doch war es so verdammt falsch.

So sehr ich diesen Gedanken auch verabscheute, aber es endete, wie es begonnen hatte. Hier an den Klippen schloss sich der Kreis unserer Liebe.

Eine ihrer Hände wanderte in meinen Nacken, um mich für einen erneuten Kuss zu ihren Lippen zu führen.
Unterdessen schob sie mit ihrer anderen meine Hose ein wenig nach unten, sodass meine Erregung sich nun frei gegen ihren flachen Bauch drückte.
Meine Lippen wanderten ihren Hals hinab.
Ich öffnete die dicke Jacke ein wenig, sodass ich ihr Schlüsselbein liebkosen konnte.
Ich biss leicht hinein und leckte danach beruhigend darüber.
Ich wollte irgendetwas von mir auf hier hinterlassen. Wollte, dass ich noch ein wenig länger ein Teil von ihr sein konnte ... auf ihrer Haut sein konnte. Auch, wenn ich schon gegangen war.

Ich rollte ihre inzwischen harte Knospe zwischen meinen Fingern und spürte ihren heißen, keuchenden Atem in meinem Haar.
„Edward.“, hauchte sie atemlos. Ich sog jeden ihrer Laute in mir auf. Jede ihrer Berührungen, ihren Geruch, den Geschmack ihrer Haut. Ich wollte mich später genau an diesen Moment erinnern können.

Meine linke Hand, die nach wie vor an ihrer Hüfte lag wanderte langsam ihren Oberschenkel hinab. Liebkoste ihre langen, schlanken Beine durch den Stoff ihres Rockes hindurch, bis sie dessen Saum erreichten.
Fast schleichend schob ich meine Hand darunter und ließ sie auf dem dünnen Stoff ihrer Leggings wieder nach oben gleiten.
Bellas Hände lagen nun beide in meinem Nacken, wanderten nach oben und krallten sich in mein Haar – fester als je zuvor.
Es war fast so, als spürte auch sie, dass dieser Moment ... das Ende war. Der letzte wundervolle Augenblick einer unvergesslichen Liebe. Unsere Unendlichkeit.

Diesen Augenblick würden wir für immer festhalten. Ihn wie einen Talisman unser ganzes Leben lang in unseren Herzen tragen. Bis ins Grab.

Meine Hand erreichte den Saum ihrer Leggings und zusammen mit ihrem Slip zerrte ich sie ihr bis weit unter die Kniekehlen nach unten.
Sie zitterte leicht, doch ich wusste nicht, ob dies an meiner Berührung oder einfach nur der kalten Novemberluft lag.
Ich löste mich von ihrem Hals, krabbelte ein Stück tiefer und liebkoste die weiche Haut an der Innenseite ihrer Oberschenkel.
Küsste zärtlich den vorherigen Pfad meiner Hände wieder hinauf, bis ich das Ende ihrer Schenkel erreichte.
Ich drückte einen sanften Kuss auf ihre heiße, feuchte Mitte und hörte, wie Bella kurz auf keuchte.
„Bitte, Edward. Bitte ... ich ... bitte.“

Ich wusste, was sie wollte und ich wusste auch, dass dies nicht der Moment für irgendwelche Spielchen war. In ihrer Mitte lag so viel mehr, als reine sexuelle Begierde oder Leidenschaft. Da war Sehnsucht, sie suchte Halt, Nähe ... und möglicherweise war da sogar eine Spur meiner eigenen Verzweiflung.
Ich rutschte wieder nach oben und platzierte meine Lippen über den ihren. Mit meiner Hand schob ich ihren Rock nach oben und legte die Spitze meiner Erregung an ihren feuchten Eingang.

Ich sah in ihre Augen und für einen Moment schien tatsächlich die Zeit stillzustehen. Ich wollte, dass sie wusste, wie sehr ich sie begehrte, sie liebte, sie vergötterte. Ich versuchte all meine Emotionen in diesen einen Augenblick zu legen.
Ihr Atem kam immer abgehackter und schlug gegen meine leicht geöffneten Lippen.

„Ich liebe dich.“ hauchte ich leise. Und verschloss ihre Lippen mit den meinen, als ich langsam und zärtlich in sie eindrang.
Sie stöhnte meinen Namen in den Kuss hinein und ich konnte nicht anders; schob meine Hände unter ihren Rücken, drückte sie so nahe an mich, dass ich ihren Herzschlag an meiner Brust spüren konnte. Sie .. sie war alles was ich brauchte und ich wusste nicht, wie ich ohne sie überleben sollte.
Eine einzelne Träne verließ mein Auge und fand ihren Weg in Bellas Haar, welches der Wind nun wild um unsere beiden Köpfe wehte.
Ihre Hände krallten sich beinahe schmerzhaft in die meinen und in meine Haut ... doch sie war immer noch nicht nah genug. Konnte gar nicht nah genug sein.
In diesem Moment begriff ich, dass ich die Zeit nicht aufhalten könnte. Auch wenn ich Bella noch in meinen Armen hielt, unserer Körper noch immer in inniger Vereinigung verschmolzen waren ... so hatte es doch bereits begonnen.
Ich verließ sie. In diesem Moment hatte ich angefangen, zu gehen ... mich zu entfernen.

Allein diese Erkenntnis brachte meinen Körper zum Beben. Ich hatte Angst ... Angst davor, ohne sie zu sein. Angst davor in einer Welt ohne sie zu leben, ihr lachen und ihre warmen Augen nicht mehr sehen zu können. Verzweifelt vergrub ich mein Gesicht an ihrer Halsbeuge, während ihre Nägel sich schmerzhaft in meine Haut vergruben. Tief sog ich ihren süßen Duft ein, presste die Lippen zusammen, als ich spürte wie ihre Muskeln um mich herum kontraktierten. Ich realisierte, dass Bella soeben ihren Höhepunkt erreichte ... den letzten mit mir. Der letzte Augenblick überschwänglicher Leichtigkeit und Freude, den wir beide teilen würden.
Das zusammenziehen ihrer Muskeln bewirkte, dass auch ich meiner Erlösung entgegentrieb.

Erlösung ... was für ein beschissenes Wort. Nichts würde mich je von der Last, die nun auf meinem Herzen lag, erlösen können. Nur sie ...

„Ich liebe dich, Edward.“, keuchte sie atemlos, als ich mich in ihr ergoss. Ich drückte sie noch ein wenig fester an mich. Wollte sie nicht ziehen lassen, obwohl ich wusste, dass es schon zu spät war.
„Für immer, Bella.“, hauchte ich und brachte meine Lippen zum letzten Mal zu ihrem zarten, weichen Mund.

„Für immer ...“, hauchte ich noch einmal und verlor mich in diesem süßen Moment.


Stunden später standen wir wieder vor ihrem Haus, an der Motorhaube meines Wagens gelehnt und sahen uns tief in die Augen. Lange konnte ich diesem Blick nicht stand halten, ich hatte bereits zu lange gewartet und dabei einen Fehler nach dem anderen begangen. Doch jetzt gab es kein zögern mehr.

„Bella, ich werde weggehen“ Meine Stimme klang härter als beabsichtigt, aber dies war wohl notwendig.

„Ich weiß…“, flüsterte sie brüchig. „…aber nur noch ein Jahr, dann kann ich auf das gleiche College….“

„NEIN“, unterbrach ich sie forsch und mein Blick heftete sich auf ihr Gesicht.

„Aber…“, erschrocken riss sie die Augen auf und ihr klappte die Kinnlade gen Boden, als sie mein Kopfschütteln sah. Sie taumelte ein paar Schritte zurück, ihre Augen musterten mein Gesicht, suchten nach Anzeichen dafür, dass ich log … Meine Lippen bildeten eine schmale Linie, als sie auf keuchte, sich am Geländer der Verandatreppen festhielt. Sie hatte verstanden. Dann drehte sie sich von mir weg und lief den kleinen Weg vom Vorgarten bis zur Verandatreppe auf und ab, die Augen geschlossen und die Arme vor der Brust verschränkt. Mir war klar, dass es in ihrem Kopf ratterte und sie gerade über die ausgesprochenen Worte und das noch Ungesagte nachdachte. Am liebsten hätte ich sie gestoppt, wieder in meine Arme gezogen und sie ganz fest an mich gedrückt und alles wiederrufen, doch das konnte und durfte ich nicht. Ich hatte verdammt nochmal keine Wahl. Es brachte mich fast um, sie so zu sehen, so verzweifelt nach einer Lösung suchend, also tat ich das, was mir in dem Moment in den Kopf schoss.

Ich umrundete den Wagen, stieg ein und fuhr ohne einen weiteren Blick auf sie davon.

**Flashback ende**



Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen hatte, denn gleich am nächsten Tag verließ ich Forks und zog mit meiner Familie nach Los Angeles, wo ich sechs Jahre lang lebte und studierte. Und nun war ich hier in England, hatte meine eigene Firma und der Grund, der mich damals zu diesem Entschluss zwang, war ebenfalls nicht mehr vorhanden. Warum ich dann nicht gleich die Chance ergriff, um meiner Liebe wieder Nahe zu sein? Ich war der festen Überzeugung, dass sie mich für das, was ich ihr angetan hatte, hassen musste. Und noch immer glaubte ich daran, doch jetzt gab es einen weiteren Grund, sie zu suchen, meine Bella ausfindig zu machen…und dieser Grund war Maria!



~*~




„Alice!“, rief ich durch das ganze Büro, als ich mich endlich aus meiner Starre gelöst hatte und wieder bei Verstand war.

„ALICE, VERDAMMT, SCHWING DEINEN ARSCH HIER HER!“, schrie ich diesmal lauter. Sofort wurde meine Bürotür aufgerissen und eine keuchende kleine schwarzhaarige stand im nu vor mir. Mit hochgezogener Braue musterte ich sie. „Bist du einen Marathon gelaufen oder wieso schnaufst du so?“, fragte ich sie belustigt. Augenblicklich handelte ich mir einen wütenden Blick ein, jedoch fasste sie sich schnell wieder.

„Was gibt es denn so dringendes, dass DU schreist, wie ein Irrer?“, stellte sie mir die Gegenfrage.

„Ich will, dass du mir alles besorgst, was du über Isabella Marie Swan in Erfahrung bringen kannst.“, forderte ich sie auf. „Isabella wurde am 13. September 1973 in Forks, Washington geboren; das dürfte dir bei der Recherche behilflich sein. Frag nicht, sondern tu was ich dir aufgetragen habe. Das alles am besten schon gestern. Danke, du kannst gehen.“, fügte ich in barschem Ton hinzu. Ja im Moment ließ ich den bösen, harten Chef raushängen, aber das tat ich nur, weil ich absolut keine Lust auf irgendwelche Fragen von Alice hatte. Das Verhör würde ich noch früh genug über mich ergehen lassen müssen.
Mit einem weiteren Giftpfeil verschießenden Blick auf mich, wandte sie sich um und verließ mein Büro.


Keine Ahnung, wie sie es geschafft hatte, aber nicht mal zwei Stunden später, stand Alice mit ein paar DIN A4 Seiten, fein säuberlich abgeheftet vor meinem Schreibtisch.
„Wirst du mir verraten, was es mit dieser Frau auf sich hat?“, fragte sie mich und wedelte mit den Papieren vor meiner Nase herum.
„Wenn ich der Meinung bin, dass es dich etwas angeht, dann sicherlich“, grinste ich sie frech an und entriss ihr die Unterlagen. „Danke Al, ich werde mich revanchieren.“
Und bevor sie ein weiteres Mal aus dem Raum verschwand, rief ich ihr noch hinterher: „Ach und sei so nett und zeig Ms. Masen ihr Appartement und mach den Arbeitsvertrag mit ihr fertig, ja?“

Keine Reaktion, aber ich war mir sicher, dass Alice alles verstanden hatte und sich nun um das Restliche kümmern würde.

Mit zitternden Händen hielt ich die Papiere zwischen meinen Fingern und starrte sie einige Minuten lang an, sollte ich es wagen und sie öffnen? Und was würde ich dann zu sehen bekommen? War meine Bella unterdessen verheiratet? Lebte sie noch immer in Forks?
Langsam blätterte ich die erste Seite um und entdeckte einen Lebenslauf. Meine Augen nahmen jedes einzelne Wort ins Visier und weiteten sich, als ich las, dass Bella kurz nach ihrem Abschluss in Forks nach Pasadena, Kalifornien gezogen war und zwei Jahre später auch dort anfing zu studieren. Pasadena – das war nur etwas mehr als zehn verdammte Meilen von LA entfernt. Maximal eine halbstündige Autofahrt und ich wäre bei ihr gewesen.
Wieso sind wir uns da nie begegnet? Wollte es das Schicksal so?
So langsam begann ich wirklich daran zu zweifeln, ob es sowas wie Schicksal überhaupt gab. Denn, wenn ja, dann schien es mich nicht besonders zu mögen. Ich hatte eine Tochter, von der ich nichts wusste und dann lebte sie auch noch gut fünf Jahre lang praktisch nebenan und ich bemerkte nichts davon.
Ungläubig schüttelte ich den Kopf.


Doch dann entwich ein erleichtertes Seufzen meiner Kehle, als ich feststellte, dass mich mein Glück vielleicht doch noch nicht ganz verlassen hatte: Familienstand: ledig. Sie hatte also nicht geheiratet.
Als nächstes kam ich zu den Zeilen mit der Kinderfrage.
Dort stand: eine Tochter.
Name des Kindes: Antonella Maria Swan, geboren am 13. August 1991.

Erst da dämmerte es mir….unsere letzte Vereinigung, der Tag auf den Klippen ... dort wo alles anfing und auch geendet hatte, war es passiert. Der Tag an dem unsere Tochter entstand.

Antonella…eine Mischung aus Anthony und Bella. Mein Herz schwoll vor Stolz an und irgendwie überkam mich aus heiterem Himmel das Gefühl, die Stimme meiner Liebsten hören zu wollen.
Ich hatte so lange nichts von ihr gehört ... ich vermisste den Klang ihrer sanften Stimme.
Und irgendwie hatte ich das dringende Bedürfnis, mit ihr zu sprechen.
Schnell überflog ich die weiteren Notizen und suchte nach einer Telefonnummer. Drei Seiten weiter fand ich die aktuelle Adresse und eine aktuelle Telefonnummer. Sie lebte also noch immer in Pasadena.

Sofort nahm ich den Hörer meines Telefons ab und wählte die angegebene Nummer. Es klingelte: einmal, zweimal…dann legte ich auf. Der Mut hatte mich verlassen und auch sonst wusste ich nicht, was ich hätte zu ihr sagen sollen. Hey Bella, hier ist Edward, kannst du dich erinnern? Am liebsten hätte ich in die Tischkante gebissen, wegen meiner Blödheit. Nein, du willst nur ihre Stimme hören, mehr nicht…sobald du sie vernommen hast, legst du wieder auf….

Ich holte tief Luft, nahm erneut den Hörer in die Hand und drückte dann die Wahlwiederholung. Erneut ertönte das klingeln. Einmal, zweimal, dreimal….gerade als ich wieder auflegen wollte, hörte ich sie.

„Isabella Swan“, erklang die wohl schönste Stimme, die ich in meinem ganzen Leben je gehört hatte und welcher ich schon solange nicht mehr lauschen durfte. Ein angenehmer Schauer lief über meinen Rücken.

„Hallo? Wer ist denn da?“, fragte meine Bella nach einer Weile nach, da ich keinen Ton sagte und auch mein Vorhaben scheiterte, aufzulegen, sobald ich das bekommen hatte, was ich wollte. Mein Herz fing an zu rasen und ein riesiger Kloß bildete sich in meinem Hals, der aber so schnell verschwand, wie er aufkam, als ich erneut die liebliche Stimme meiner großen Liebe vernahm.

„Ich kann sie atmen hören, also sagen sie doch was.“, forderte sie mich ungeduldig auf und ich glaubte, eine Spur Wut heraushören zu können, was mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberte und all meinen Mut zurück brachte.

„Hallo, Bella!“, war alles, was ich sagte und ich bekam nur noch mit, wie am anderen Ende der Leitung scharf die Luft eingezogen wurde…

Stille.

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