Tief sah er mir in die Augen und ich konnte erkennen, wie sich die seinen mit Flüssigkeit füllten.
„Wieso?“ seine Stimme klang schwach, brüchig und war so leise, dass ich es kaum verstand.
„Ich konnte nicht…du solltest nicht…“erwiderter ich, jedoch brach auch meine Stimme ab. Doch ich war mir sicher, dass er bereits wusste, was ich ihm hatte sagen wollen. Er sollte nicht wegen eines schlechten Gewissens bei mir bleiben.
Schützend hielt ich mein Gesicht mit meinen Händen bedeckt, ich wollte stark sein, er sollte mich nicht weinen sehen. Er sollte nicht erkennen, wie sehr ich ihn noch liebte. Plötzlich spürte ich seine Finger, die meine Hände umklammerten und wegzogen. Ich konnte ihn nicht ansehen, er würde die Wahrheit in meinen Augen erkennen und mich dafür hassen, was ich getan hatte. Vorsichtig hob er meinen Kopf an und zwang mich damit regelrecht ihn entgegen zu blicken, doch ich schloss die Augen, versuchte alles, dem Drang zu wiederstehen.
„Sieh mich an, bitte“ flehte er. Wieso konnte ich ihm und seiner Art, dem ausdrucksstarken Ton, nicht Stand halten? Mit großer Überwindung, atmete ich tief ein, um dann ganz langsam meine Lider zu öffnen. Das feuchte, noch immer strahlende Grün seiner Iren, brannte sich in das, meines trostlosen Brauns.
„Ich sollte wütend auf dich sein, aber ich kann es nicht. Du hast mir ein so wunderbares Geschenk gemacht, auch wenn es ein wenig verspätet bei mir ankam.“ Versuchte er die angespannte Atmosphäre etwas aufzulockern. Sein atemberaubendes, schiefes Lächeln erschien auf seinen Lippen, bevor er den Kopf senkte und sie auf meine trafen. Es war ein sanfter, zärtlicher, kurzer Kuss, welcher meine Selbstbeherrschung vollkommen in die Tiefe stürzte, denn augenblicklich brach ich vollends in Tränen aus und diese rollten unaufhörlich über meine Wange.
„Ich ließ dir dein Leben, bitte lass mir das meine“ flüsterte ich, nachdem wir uns voneinander lösten. Ich hatte Angst. Angst er würde mir das nehmen, was mich all die Jahre am Leben hielt.
„Ich liebe dich, das tat ich immer. Du warst schon immer die eine!“ entgegnete er, streichelte mir gefühlvoll über meine Wange und hielt mich weiterhin mit seinem Blick gefesselt. Seine Worte durchbrachen die Mauer meines Herzens, die ich mir sorgsam aufgebaut hatte. Mein Herz, welches ich mir nur für ihn bewahrt hatte und ich mir sicher war, dass er es nie wieder in Anspruch nehmen würde. Doch jetzt bröckelte sie, die ersten Risse zeichneten sich auf ihr ab.
„Was erwartest du?“ fragte ich ihn, immer noch flüsternd.
„Dich, dich und sie, wir zusammen, für immer“ und wieder berührten seine Lippen, die meinen flüsterzart.
Plötzlich wurde die Tür meines Hotelzimmers aufgerissen und ich zuckte schreckhaft zusammen, was ihn jedoch nicht dazu bewegte, von mir abzulassen. Fest umklammerte er meine Taille und zog mich, wenn möglich noch enger an sich heran.
„Mum…ich bin so schne….Oh“ hörte ich meine Tochter. Ich wandte meinen Kopf in ihre Richtung und sah wie sie in der Tür stand und grinste. Sie grinste? Aber wieso?
Abrupt stieß ich ihn von mir weg und sah zwischen beiden geschockt hin und her. Beide hatten dasselbe schiefe Lächeln auf den Lippen und das gleiche strahlende Grün, mir stockte der Atem und die Erkenntnis traf mich unerwartet, überraschend und hart.
Ich konnte es nicht glauben. Beide hatten sich gegen mich verschworen. Dachten sie, damit sei alles wieder in Ordnung? Glaubten sie, damit wären die ganzen Jahre vergessen?
„Das war ein abgekartetes Spiel, richtig?“ anders konnte es nicht sein, wieso auch sonst sollten die beiden grinsend vor mir stehen? Entschuldigend sah mich meine Tochter an und nickte.
„Lass mich dir erklären…“ eine Hand schoss in die Höhe und stoppte die samtene, weiche und zugleich raue Stimme des Mannes, der sich damals, wie heute, so einfach in mein Herz geschlichen hatte. Wut stieg in mir auf. Wut darüber, dass ich von alldem nichts bemerkt hatte und nun wie ein naives Kleinkind hier stand.
„Geht….verschwindet…beide!“ schrie ich aufgelöst von dieser Situation, drehte mich von ihnen weg, rannte ins Bad, ließ die Tür laut knallend ins Schloss fallen, lehnte mich mit dem Rücken dagegen und sank auf den Boden nieder. Ich brauchte Zeit, Zeit um über alles nachzudenken.
Mittwoch, 24. März 2010
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